Düsseldorf

Tiefgefroren

Es klingt kurios: Aus Achtung vor der religiösen Tradition sollen in Düsseldorf Reste eines jüdischen Friedhofs zeitweise tiefgefroren werden. Grund für diesen eigenartigen Vorgang ist der U-Bahn-Ausbau. Bei Probebohrungen für einen neuen Schacht stießen Arbeiter im Mai rund 3,50 Meter unter der zentralen Kasernenstraße auf ein Skelett. Dieses konnte nach Lage der Dinge nur von einem jüdischen Verstorbenen stammen, denn bis etwa 1780 erstreckte sich dort der Friedhof der Düsseldorfer Gemeinde. 1779 wurde auf dem Areal noch Sarah van Geldern, Großmutter mütterlicherseits von Heinrich Heine, beerdigt. Die Hinterbliebenen betteten vor 200 Jahren einige der Toten um, aber offensichtlich nicht alle. Nun gebietet es aber die jüdische Tradition, dass Verstorbene »auf ewig« an ihrer letzten Ruhestätte liegen dürfen.
Als der Fund bekannt wurde, schaltete sich die jüdische Gemeinde ein. Der Düsseldorfer Rabbiner Chaim Soussan drängte die Kommune, die Totenruhe zu respektieren. Doch die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt braucht die neue Metrolinie, die 2014 in Betrieb gehen soll. Sie verläuft an der Kasernenstraße schnurgerade und kann daher auch keinen Bogen fahren, weil möglicherweise das Skelett von Heines Großmutter im Weg liegt.
Eine aus theologischer Sicht mögliche Lösung wäre eventuell der Abtransport des gesamten verbliebenen Friedhofs nach Israel gewesen. Ein reichlich aufwendiges Unterfangen. Die Arbeiter können sich auch nicht einfach unter den verbliebenen Gräbern hindurchbuddeln, da dieses Trassenstück im Tagebau erstellt wird – also in einer großen Grube.
Die städtischen Ingenieure fanden nun eine Lösung: Die Fläche, auf der noch Skelettreste vermutet werden, wird während der Bauarbeiten tiefgefroren und gesichert, erklärt der Düsseldorfer Stadt-Sprecher Manfred Blaszyk. So bleibt sie stabil am Platz und wird nicht zerstört. Das Einfrieren größerer Flächen zur Stabilisierung ist ein beim U-Bahn-Bau durchaus übliches Verfahren.
Die Verwaltung rechnet damit, dass nur ein sehr kleines Gebiet betroffen sein wird, da sich der größte Teil des ehemaligen Friedhofs unter der heutigen Bebauung befinde. Die U-Bahn kann dann später in rund elf Meter Tiefe zwischen Zentrum und dem Stadtteil Bilk pendeln. Die Totenruhe von Heines Großmutter – falls sie dort noch liegt – bliebe ungestört, mal abgesehen von der zwischenzeitlichen Vereisung. Die Arbeiten in dem Abschnitt sollen kommendes Jahr beginnen. Jan Popp-Sewing

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

von Nicole Dreyfus  29.01.2026

Fernsehen

Wie Skandal-Camper Gil Ofarim erste Sympathie-Punkte sammelt

Kompliment und Kloppe für Gil Ofarim

von Aleksandra Bakmaz  29.01.2026

TV

Dschungelcamp: Gil Ofarim will nicht sprechen - oder doch?

Bei Hitze und Hunger schütten die Campteilnehmer sich gegenseitig ihr Herz aus. Am zweiten Tag in Down Under lassen die Dschungelbewohner tief blicken. Doch nicht jeder bekommt Mitleid

von Inga Jahn  25.01.2026

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026

TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Oft feiern Filmporträts ihre Protagonisten mehr oder weniger unkritisch. Eine Arte-Doku über Popstar David Bowie wählt einen anderen Weg - und ist genau deshalb so gelungen

von Manfred Riepe  14.01.2026

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Ein AfD-Parlamentarier teilte einen Instagram-Post, in dem die Rothschild-Familie mit dem Untergang der »Titanic« 1912 in Verbindung gebracht wird

 08.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026