Staatsbesuch

»Tiefe Liebe zu Israel«

Israels Präsident Herzog spricht mit US-Präsident Joe Biden. Foto: Haim Zach, GPO

Isaac Herzog hätte sich sicherlich eine sanftere Hintergrundmusik für seine Visite in Washington gewünscht. Doch die Realität ist eine andere: Während zu Hause Kundgebungen, Proteste und Straßenblockaden die Schlagzeilen beherrschen, versucht der israelische Präsident bei seiner Visite in den USA die belasteten Beziehungen zu verbessern. Tenor seiner kurzen Ansprache vor dem ersten Treffen mit US-Präsident Joe Biden: »Die israelische Demokratie ist widerstandsfähig«.

»Natürlich sind auch ich und meine Seele mit der hitzigen Debatte, die wir als Gesellschaft in Israel durchleben, verbunden.« Doch diese Debatte sei Tugend und Hommage an die Größe der israelischen Demokratie, betonte Herzog, »sie ist solide, stark und widerstandsfähig«.

SCHMERZEN »Wir durchleben Schmerzen und herausfordernde Momente, aber ich bin fest davon überzeugt und sage Ihnen, Herr Präsident, das, was ich als Staatsoberhaupt dem israelischen Volk gesagt habe: ‚Versuchen Sie immer, einen gütlichen Konsens zu finden‘.« Er verfolge jeden Moment mit seinen Leuten und versuche, »so gut wir können«, Lösungen und einen guten Ausweg aus dieser Krise zu finden.

Das Schlüsselwort »Konsens« wollte Biden sicherlich hören. Der beteuerte, seine Liebe zu Israel sei »tief verwurzelt und langlebig«. Die Freundschaft zwischen Israel und den USA sei unzerbrechlich und man arbeite daran, »mehr Integration und Stabilität im Nahen Osten zu schaffen«. Das sei harte Arbeit, es gebe noch viel zu tun, aber auch Fortschritte dabei.

»Wir setzen uns dafür ein, dass Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen wird.«

US-Präsident Joe biden

Biden bezog sich danach auf das Telefonat mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu am Tag zuvor: »Wie ich gestern gegenüber Premierminister Netanjahu bekräftigte, ist Amerikas Engagement für Israel fest und eisern. Und wir setzen uns auch dafür ein, dass Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangt.«

INTERVIEW Im Anschluss gab Biden der New York Times ein Interview, in dem er klarmachte, dass »die israelische Führung ihre spaltende Überholung der Justiz verlangsamen und sich stattdessen um einen breiten Konsens mit den Oppositionsparteien in dieser Frage bemühen muss«. Dem Bericht zufolge warnte er, dass die »besondere Beziehung« zwischen den beiden Ländern ansonsten irreparablen Schaden erleiden könnte.

Kolumnist Tom Friedman schrieb, dass er von Biden eingeladen worden sei, »damit alle Israelis seine Botschaft erhalten«. Die sei: »Das beste Ergebnis darin besteht, hier einen möglichst breiten Konsens anzustreben«.  

Netanjahus Regierungskoalition aus seinem Likud, rechtsextremen und ultraorthodoxen Parteien drückt seit Amtsantritt im Januar umfassende und kontroverse Änderungen am Justizsystem des Landes durch, was regelmäßig Hunderttausende Israelis bei Massendemonstrationen auf die Straßen bringt – seit 29 Wochen.

UNTERSTÜTZUNG In dem Interview drückte der US-Präsident auch seine Unterstützung für die Demonstranten aus: »Dies ist offensichtlich ein Bereich, zu dem die Israelis starke Ansichten haben, auch im Rahmen einer anhaltenden Protestbewegung, die die Lebendigkeit der israelischen Demokratie demonstriert«. Und die müsse »der Kern unserer bilateralen Beziehungen bleiben«, hob er hervor.

Friedman schrieb, dass der Präsident »respektvoll sein wolle, ohne dass sein amerikanischer Verbündeter in interne Angelegenheiten Israels eingreift« und gleichzeitig deutlich machen, wie sich die Entwicklungen auf die Beziehungen Israels zu den USA auswirken könnten.

»Wir versuchen, so gut wir können, Lösungen und einen guten Ausweg aus dieser Krise zu finden.«

Israelischer präsident isaac herzog

Außerdem berichtete die Nachrichtenseite Walla, Netanjahu habe während des Telefonats mit Biden behauptet, es sei den Oppositionsparteien nicht ernst damit, eine Einigung auszuhandeln, da sie eine Gegenreaktion der Protestbewegung befürchte, wenn in bestimmten Fragen Kompromisse eingegangen würden.

Er habe den Präsidenten auch über den Stand der Gesetzgebung informiert. Nächste Woche werde ein Entwurf vorangebracht, der die gerichtliche Kontrolle über die Angemessenheit von Regierungsentscheidungen aufheben werde. Anschließend solle die parlamentarische Sommerpause genutzt werden, »um mehr Unterstützung für die verbleibenden Teile des Verfahrens zu gewinnen«, so der israelische Ministerpräsident.

GEBURTSTAG Im Anschluss an sein Treffen mit Biden im Oval Office des Weißen Hauses kam Herzog mit US-Außenminister Antony Blinken zusammen. Es sei ein »großer historischer Moment, hier den 75. Geburtstag der Unabhängigkeit Israels zu begehen, der die einzigartigen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten hervorhebt«, sagte Herzog dabei.

Am Mittwoch wird er bei einer Sitzung des US-Kongresses sprechen, die sich insbesondere der Feier des 75. Jahrestages des Staates Israels widmet.

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026