Brandenburg

Teil des Ganzen

Carsten Dippel

In vielen Darstellungen zur Geschichte jüdischen Lebens ist der Blick durch den Fokus auf die Zeit des Nationalsozialismus eingeengt. Das Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) setzt mit einer Wanderausstellung zum jüdischen Leben in Brandenburg einen anderen Akzent. Die Ausstellungsmacher wollen zeigen, dass Juden ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft waren – und wieder sind. Gleichzeitig fällt der Blick auf die Zeit nach 1945 und, auch das ein durchaus neuer Ansatz, auf die Geschichte des Neuanfangs nach 1989/90.
Auf 15 Schautafeln wird der Bogen von den Ursprüngen jüdischen Lebens in Brandenburg im 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart gespannt. Deutlich werden dabei unter anderem die enormen Schwierigkeiten, mit denen Juden in der DDR zu kämpfen hatten. Gezeigt werden auch Fakten und Hintergründe der Einwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Zur kurzen Einführung erklärt eine Tafel Grundsätze jüdischen Glaubens.
Heute gibt es neben der Landeshauptstadt auch größere Gemeinden in Cottbus, Bernau und Frankfurt/Oder. Neben der Landesgemeinde existiert seit 1999 eine Gemeinde »Gesetzestreuer Juden«. Potsdam ist zudem eine von 14 Niederlassungen von Chabad Lubawitsch in Deutschland.
Deutlich werden die sprachlichen, finanziellen und sozialen Probleme der Neuankömmlinge. Vielerorts fänden zwar allmählich Gottesdienste und religiöse Feste statt. Eine gut funktionierende »jüdische Infrastruktur« existiere jedoch noch längst nicht.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Landeshauptstadt. Hier gibt es derzeit Pläne für einen Synagogenneubau. Zudem ist Potsdam mit dem MMZ und den Jüdischen Studien zugleich ein Ort der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Mit dem Abraham-Geiger-Kolleg verfügt die Stadt sogar über ein Rabbinerseminar. Mittlerweile gibt es auch eine Jüdische Volkshochschule und einen Kindergarten.
Zahlreiche Ortsbeispiele geben einen Eindruck von dem, was in Brandenburg einst an jüdischem Leben vorhanden war, und heute, wenn auch zaghaft, zum Teil wieder möglich wird. Hilfreich ist, dass die von Bildern begleiteten Texte kurz gefasst sind. So werden zwar viele Themen nur angerissen. Erreicht wurde damit aber eine recht gute Übersichtlichkeit. Für die Vertiefung der Thematik bietet sich der von Irene Dieckmann herausgegebene Band zum Jüdischen Leben in Brandenburg an. Großen Wert legten die Aussteller auf ein didaktisches Konzept. So wurden die einzelnen Themen von lokalen Jugendgesellschaftsprojekten, insbesondere einer Schulklasse des Potsdamer Einstein-Gymnasiums erarbeitet. Gleichzeitig steht parallel zur Ausstellung eine Methodensammlung für Lehrkräfte zur Verfügung. Viele lokale Spuren jüdischen Lebens sind zwar mittlerweile verwischt, doch zeigen die ausgewählten Beispiele, dass sich mit genügend Sensibilität noch etliches finden lässt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Februar in Potsdam zu sehen und wird anschließend auch in Gollwitz, Prenzlau und Rathenow gezeigt. Infos: www.mmz-potsdam.de

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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