Gemeindegeschichte

Tausend Jahre Rabbiner

von Dörte Staudt

»Es sind Menschen, die Geschichte schreiben«, beginnt Rabbiner Daniel Alter aus Oldenburg sein Vorwort zu Rabbiner in Bonn – Spuren ihrer Tätigkeit zwischen dem 11. und dem 20. Jahrhundert. Und so haben sich die Autorinnen Leah Rauhut-Brungs und Gabriele Wasser in ihrer Sammlung vor allem den Einzelschicksalen der Rabbiner zugewandt, die die jüdischen Gemeinden in Bonn und Beuel bis zur heutigen Zeit prägten.
Die Sammlung beginnt mit Joel ben Isaak Halevi, dessen im Jahr 1096 verfasstes Klagelied noch heute an Tischa beAw, dem Erinnerungstag an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels, gebetet wird. Es sind Lebensgeschichten, denen die Autorinnen mit dem Studium zahlreicher Quellen und in vielen Zeitzeugengesprächen nachspürten. Sie dokumentieren verschiedene religiöse Strömungen und das Ringen um die richtige Auslegung der Religionsgesetze. Wie jene Episode über Juda Mehler II, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Großrabbiner für das riesige Gebiet des Erzstiftes Köln, des Bistums Münster und des Herzogtums Westfalens zuständig war. Der Rabbiner hatte über die Frage zu entscheiden, ob ein Handwaschbecken, das von einer Frau gestiftet worden war, auf der Frauentribüne der Synagoge geduldet werden darf.
Schillernde Figuren und ihre ebenso facettenreichen Lebenswegen finden sich unter den Bonner Rebben. Einer von ihnen war Emil Bernhard Cohn (1881-1941), dessen zionistische Weltanschauung in der Berliner Gemeinde umstritten war. Die Bonner aber stellten ihn 1914 ein. Er gründete 1919 eine jüdische Wochenzeitung, erregte mit seinem Anschauungsbuch Ein Aufruf an die Zeit internationales Aufsehen und machte später in den Vereinigten Staaten als Autor von Theaterstücken Karriere. Darüber hinaus unterstützte der Reformrabbiner das Bestreben des jüdischen Frauenvereins um das aktive und passive Wahlrecht für Frauen.
Etwas mehr als 100 Seiten umfasst der Band, der sich mit nahezu 1.000 Jahren deutscher Geschichte befasst. In der Kürze war es offensichtlich nicht ganz einfach, die Geschichte der Bonner Rabbiner in die historische Beschreibung einzubetten. Das stört ein wenig den Lesefluss. Schön wäre auch eine Zeittafel gewesen, um die Entwicklung in Bonn einmal grafisch zu veranschaulichen.
Die Sammlung schließt mit der Geschichte Rudolph Seligsohns, des letzten Rabbiners der Bonner Gemeinde vor dem Holocaust. Er rettete das Bonner Memorbuch, indem er es im Koffer mit in die Emigration nach London nahm. Im Jahr 1939 übergab er dieses Buch der British Library.

Die Dokumentation »Rabbiner in Bonn« ist in der Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Bonn, Kaiser-Karl-Ring 28, zum Preis von 7,80 Euro erhältlich.

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026