Grundschule

Süßer Start

von Christine Schmitt

»Das ist eine Mädchenschultüte – die will ich nicht«, ruft Ari. Doch dann akzeptiert er die lilafarbene Zuckertüte und schaut interessiert nach, was so alles in ihr steckt. Er hat Erfahrungen mit Schultüten, denn Ari hat vor einem Jahr bei seiner Einschulung schon eine bekommen. Nun besucht er die zweite Klasse der neugegründeten Lauder-Beth-Zion-Grundschule in der Ry-
kestraße. Fünf Kinder besuchen die erste Klasse und zwölf die zweite. Und alle bekommen zur Begrüßung am Montag eine süße Überraschung.
»Ich konnte heute Morgen gar nicht frühstücken, weil ich so aufgeregt war«, sagt der sechsjährige Dennis, der nun ungeduldig darauf wartet, endlich die Naschereien auszupacken.
Mit seinen zukünftigen Kameraden sitzt er an einem kleinen Tisch. In einer Kennenlernstunde möchte die Klassenlehrerin, Marion Schalwat, dass sich die Kinder untereinander begrüßen. Und sie hat kleine Papptafeln vorbereitet, auf denen der jeweilige Name steht. Sie sei gespannt, ob einige die Buchstaben schon kennen. Eine Hausaufgabe gebe es auch, denn die Kinder sollen eine Seite im Deutschbuch ausmalen. Für die Schüler der zweiten Klasse beginnt nach der Begrüßung der erste Unterrichtstag, der gleich bis 16 Uhr dauert.
Einen Tag davor hätten die beiden Klassenzimmer noch ganz anders ausgesehen, da sei noch hart gearbeitet worden, damit alles zum Schulstart fertig werden konnte, so der Schulleiter Miron Schumelda. Jetzt hängen Schultüten am Eingangstor und den Fenstern, auf Plakaten steht »Willkommen« und in den Regalen sind die Unterrichtshefte und Schulbücher eingeräumt.
Dass es nun auch in Prenzlauer Berg eine jüdische Schule gebe, sei eine logische Entwicklung, sagt Rabbiner David Kern, Vater von fünf Kindern. Seine beiden Ältesten besuchen nun ebenfalls die Beth-Zion-Grundschule. Der Weg einmal durch die Stadt nach Charlottenburg-Wilmersdorf sei einfach zu weit, da seien die Kinder zu lange unterwegs.
Dass es nun eine dritte jüdische Grundschule und damit noch mehr Konkurrenz gebe, sieht Lala Süsskind positiv. Die Jüdische Gemeinde habe gerne die Schirmherrschaft für die Grundschule übernommen, meint die Gemeindevorsitzende in ihrer Begrüßungsrede. Sie hoffe, dass alle partnerschaftlich zusammenarbeiten werden. »Ich wünsche unseren drei jüdischen Schulen einen guten Start ins neue Schuljahr.«
An der Jüdischen Traditionsschule Or Avner von Chabad Lubawitsch werden etwa 60 Kinder von der ersten bis zur sechsten Klassenstufe unterrichtet. 20 Kinder werden am morgigen Freitag eingeschult, sagt die Direktorin Heike Michalak. Ebenfalls am Freitag werden auch die Erstklässler der Heinz-Galinski-Schule begrüßt. 45 Schüler sind angemeldet und werden auf drei erste Klassen verteilt. Das seien we-
niger als im vorigen Jahr, sagt die kommissarische Schulleiterin Martina Godesa. Damals seien es vier erste Klassen gewesen. Insgesamt hätte die Schule nun voraussichtlich 260 Schüler, 15 weniger als zuvor.
Einige Kinder seien abgemeldet worden, da sich die Eltern neben höheren Schulgebühren ab diesem Schuljahr auch mit einem größeren Eigenanteil an Kosten des Schulbustransportes beteiligen müssen, hatte Schuldezernentin Mirjam Marcus vor den Sommerferien gesagt. 95 Euro müssen die Eltern der Schüler der Heinz-Galinski-Schule aufbringen, 75 Euro bei der Jüdischen Traditionsschule. Bei der Lauder Foundation sei die Elternbeteiligung der neun Kinder, die gefahren werden sollen, noch nicht geklärt. Wie viele Schüler der Heinz-Galinski-Schule auf einen Schulbus angewiesen sind, stehe noch nicht fest. »Die Eltern haben damit begonnen, sich untereinander zu organisieren«, sagt Martina Godesa.
Dennis aus Moabit ist heute noch von seinen Eltern zur neuen Lauder-Schule gebracht worden. Aber in Zukunft wird auch er mit dem Bus fahren, sagt seine Mutter. Der Sechsjährige hat sich auch etwas vorgenommen: »Ich will in der Schule ganz viel spielen.«

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