gesellschaft

Studie: Bildungsarbeit erreicht Verschwörungsgläubige nicht

Foto: Getty Images / istock

Verschwörungserzählungen machen nach Erkenntnissen der Politikwissenschaftlerin Viola Neu einsam. »Diejenigen, die komplett in diese Verschwörungswelten abgetaucht sind, haben sich gegenüber ihrer Umwelt komplett immunisiert«, sagte die Abteilungsleiterin bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Das sei bestürzend. »Ich sehe keine Möglichkeit, wie man diese Menschen erreichen kann.«

Parallelwelt Die Gruppe sei zwar klein, aber auffällig, sagte Neu. Man könne repräsentativ nicht sagen, wie groß sie tatsächlich sei, weil das empirisch nicht zu messen sei. Ihre neue Studie zur Verbreitung von Verschwörungstheorien in Deutschland zeige: Diese Menschen seien nicht extremistisch, wollten nicht das politische System abschaffen und lehnten nicht Demokratie und Menschenrechte ab. Aber sie lebten in einer absoluten Parallelwelt, sagte Neu.

Sie wüssten, dass andere ihre Aussagen für bestenfalls merkwürdig halten. Wenige versuchten, Mitmenschen zu bekehren. Entweder sie schwiegen, oder sie zögen sich zurück - und das oft mit der Haltung, sie wüssten es besser. »Dieses Gefühl von Überlegenheit ist der Schlüssel zur Immunisierung«, sagte Neu. Deswegen erreiche man diese Menschen nicht mit klassischen Mitteln der Ansprache: Der Freundeskreis, der öffentlich-rechtliche Rundfunk oder andere Medien schieden aus. »Wer sich in diesem abgeschlossenen Paralleluniversum bewegt, nimmt andere Fakten nicht mehr wahr«, sagte sie. Es gebe nicht die eine einflussreiche Verschwörungstheorie. Neu sprach von »Patchworkideologien«. Auch dadurch gebe es für die politische Bildung kaum Ansatzpunkte.

Alternative Fakten Stattdessen, sagte Neu, müsse sich die politische Bildungsarbeit darauf konzentrieren, dass die Gruppe der unerschütterlichen Verschwörungsgläubigen nicht weiter wachse. Die Mehrheit derjenigen, die mit Verschwörungserzählungen sympathisierten, glaube nicht komplett daran. Beim Thema Corona zeige sich in der Studie, dass diese Menschen zum großen Teil überfordert seien von der Menge an Informationen und neuen Begriffen. Dies führe zu großer Unsicherheit.

»Dann können alternative Fakten hängen bleiben, die ja sehr einfach sind«, sagte Neu. Bei diesen Menschen könne man mit Kommunikation dennoch etwas erreichen. Diese Gruppe könne man beispielsweise über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch vergleichsweise gut ansprechen.

Viele schmunzelten zwar, wenn Menschen etwa an Reptilienmenschen in der Regierung glaubten. Doch harmlos sei dies mitnichten. Verschwörungstheorien könnten zerstörerische politische Kraft entwickeln, wenn man etwa auf das NS-Regime und die antisemitischen Verschwörungstheorien blicke, betonte Neu.

Bildungshintergrund Laut der repräsentativen Befragung sind acht Prozent der Wahlberechtigten der Ansicht, dass es geheime Mächte gibt, und 23 Prozent vermuten, dass diese Aussage wahrscheinlich richtig ist. Zudem zeigen die Befunde einen Bildungseffekt. Befragte mit eher niedrigen Bildungsabschlüssen neigen stärker zu Verschwörungstheorien. Unter der Grünen-Anhängerschaft gibt es am wenigstens Zustimmung zu Verschwörungstheorien. Diese Gruppe ist oft zufrieden mit der Demokratie und ihren Institutionen und vertraut auch den Informationen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Unter den Anhängern der AfD ist der Glaube an Verschwörungserzählungen hingegen am weitesten verbreitet.

Erstmals hält die Umfrage auch ein repräsentatives Ergebnis für Muslime fest: Auch in der Gruppe der befragten Muslime sind Verschwörungserzählungen überrepräsentiert.

Holocaust-Gedenken

Mendel und Wagner kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026