Durchlässige Grenze

Sprungbrett Sinai

von Wladimir Struminski

Mehr als 20 Menschen sind bei Anschlägen im ägyptischen Badeort Dahab getötet worden, darunter ein deutscher Junge. Dutzende Menschen wurden verletzt. Die Explosionen ließen auch in Israel die Alarm- glocken schrillen. Die Sorge um das Schicksal israelischer Sinai-Touristen erwies sich als unbegründet. Am Dienstagmorgen meldete der israelische Botschafter in Kairo, Schalom Cohen, ein nach Dahab entsandtes Diplomatenteam habe keine von den Anschlägen betroffenen Israelis gefunden. Die Zahl der israelischen Sinai-Urlauber war nach Ende der Pessach-Saison mit knapp zweitausend relativ niedrig.
Dennoch hat Israel Gründe zur Sorge. So droht der Terrorismus die Stabilität des Regimes von Präsident Hosni Mubarak zu unterminieren, vor allem, wenn sich verheerende Anschläge wiederholen – für Jerusalem ein außenpolitischer Alptraum. Das Attentat von Dahab war bereits die dritte große »Operation« des weltweiten Dschihad auf der ägyptischen Halbinsel innerhalb von anderthalb Jahren. Im Oktober 2004 was das grenznahe Hilton-Hotel in Taba Ziel eines Sprengstoffanschlags, im Juli des vergangenen Jahres traf es das an der Südspitze des Sinai gelegene Scharm al-Scheich. Mehr als hundert Menschen starben bei den Attentaten, darunter zahlreiche Israelis. Bemühungen der ägyptischen Sicherheitsorgane, die Gefahr einzudämmen, sind nur teilweise erfolgreich. Offenbar gelingt es den Dschihad-Kommandeuren immer wieder, Helfer unter den Sinai-Beduinen anzuwerben, bei denen die Regierung in Kairo keineswegs nur Freunde hat.
Den Terroristen ist es ein leichtes, Waffen und Sprengstoff aus Ländern wie Saudi-Arabien oder dem Jemen in den Sinai zu schmuggeln. Die spärlich bewohnte ägyptische Rotmeerküste wird nur schwach bewacht. Nach israelischen Erkenntnissen entwickelt sich der Sinai zu einem Terrornest – ein Grund für schlaflose Nächte. Vom Sinai nach Israel ist es nur ein Katzensprung. Jahrelang hat die unbefestigte Friedensgrenze zwischen dem jüdischen Staat und Ägypten für regen Drogen- und Frauenschmuggel gedient. Da ist es auch kein großes Problem, Kampfmittel sowie internationalen Al-Kaida-Agenten auf die israelische Seite der Grenze zu bringen. Sicherheitsexperten gehen davon aus, daß ein Großangriff im Kernland des »zionistischen Feindes« für die islamistischen Terrorgruppen ein heißersehnter Erfolg wäre. Das Sprungbrett Sinai läßt dieses Szenario näher rücken.
Eine neue Dimension der Bedrohung öffnet sich durch die nach dem israelischen Rückzug durchlässig gewordene Grenze zwischen Ägypten und dem Gasa-Streifen und durch die Machtübernahme der Hamas. Die beiden Faktoren erleichtern Kontakte zwischen palästinensischen Gotteskriegern und ihren Gesinnungsgenossen aus der Al-Kaida-Szene. Möglicherweise war die vor einigen Monaten vermeldete Gründung einer Al-Kaida-Zelle nur der erste Schritt zu einer umfassenderen Kooperation. Damit käme es zu einer Symbiose zwischen der ausgefeilten organisatorischen Erfahrung der Weltdschihadisten auf der einen und der palästinensischen Kenntnis potentieller israelischer Ziele auf der anderen Seite – beste Voraussetzungen für einen Mega-Anschlag. Dieser, fürchten israelische Sicherheitsexperten, ist unter den gegebenen Umständen nur eine Frage der Zeit.

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Westjordanland

Auslandspresseverband in Israel fordert Schutz für Journalisten

Gewalttätige Siedler attackieren US-Journalisten im Westjordanland – der Auslandspresseverband warnt vor einem gefährlichen Trend

 30.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Desinformation

Was steckt hinter dem International Burke Institute?

Die KI-Firma OpenAI hat nach eigenen Angaben eine verdeckte russische Beeinflussungskampagne aufgedeckt, die sich als israelisch inszeniert haben soll

 26.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026