Fußball-EM

Spiel des Jahres

von Lukas Hermsmeier

Das Testspiel gegen Deutschland im neuen Wembley Stadion vor zwei Wochen endete für die englische Fußballnationalmannschaft mit einer bitteren Niederlage. Die Deutschen gewannen das traditionsreiche Duell mit 2:1. Wenn am Samstag Israel zu Gast ist, könnte es für die verletzungsgeschwächten Engländer allerdings noch viel schmerzhafter werden. Denn das Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und in der Schweiz ist für beide Teams richtungsweisend. Mit einem Sieg könnte Israels Nationalmannschaft England auf sechs Punkte distanzieren und die eigenen Chancen auf eine Teilnahme erheblich vergrößern. Zwar sind die Israelis am Samstag klarer Außenseiter, doch während die bisherigen Qualifikationsspiele für England größtenteils enttäuschend verliefen, avancierte Israel zum Überraschungsteam. Nicht verwunderlich, dass im Vorfeld sowohl in Israel als auch im Mutterland des Fußballs vom »Spiel des Jahres« gesprochen wird.
In der Gruppe E haben derzeit noch vier Mannschaften gute Chancen, bei der EM mit von der Partie zu sein. Dass Israel eine ernste Rolle spielen würde, hätten zu Beginn der Qualifikation wohl die Wenigsten gedacht, vielmehr richtete man sich auf einen Dreikampf zwischen Russland, Kroatien und England ein. Aus acht Spielen konnte Israel 17 Punkte holen, so viele wie der Tabellenerste Russland. Für Israel wäre es die erste Teilnahme an einer Europameisterschaft und der bisher größte Erfolg auf europäischer Ebene.
Trainer Dror Kashtan verfügt über eine Reihe von Spielern, die im eigenen Land echte Stars sind. Torhüter Dudu Aouate ist einer davon. Der Kapitän wechselte im vergangenen Sommer zu Deportivo La Coruna nach Spanien und ist dort die Nummer Eins im Tor. Herausragender Akteur in den Qualifikationsspielen war bisher Roberto Colautti, der in sieben Spielen sechs Tore schoss. Auch in Deutschland wurde man auf ihn aufmerksam: Der Zweitligist Borussia Mönchengladbach sicherte sich die Dienste des Angreifers. Doch wenn ein Spieler im vergangenen Jahr Furore machte, ist es Ben Sahar. Der 18-Jährige gilt als eines der größten Talente im israelischen Fußball. Im Sommer 2006 wechselte er nach London zum FC Chelsea, nur kurze Zeit später wurde er zum jüngsten israelischen Nationalspieler aller Zeiten. Am 28. März 2007 schoss er sein Land im Qualifikationsspiel gegen Estland mit zwei Toren zum 4:0-Sieg.
Seit Wochen fiebert Israel dem Spiel am Samstag im legendären, runderneuerten Wembley-Stadion entgegen. Und man hätte nichts dagegen einzuwenden, den favorisierten Engländern die zweite schmerzhafte Niederlage innerhalb kurzer Zeit beizubringen.

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