Wertheim-Erben

Späte Genugtuung

von Ingo Way

Eine scheinbar unendliche Geschichte findet nun doch noch ihr halbwegs befriedigendes Ende. Am vergangenen Freitag teilte die KarstadtQuelle AG mit, dass sie die Erben der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim mit insgesamt 88 Millionen Euro entschädigen wird.
Seit 2000 schwelte der Streit zwischen den Wertheim-Erben und der KarstadtQuelle AG um das Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz in Berlin, auf dem sich heute das Ritz-Carlton-Hotel befindet. Der Konzern hatte das Areal für eine symbolische D-Mark vom Land Berlin erhalten und im Jahr 2000 für 145 Millionen Euro an den Metro-Gründer Otto Beisheim verkauft. Im August 2006 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass die Jewish Claims Conference (JCC), die die Wertheim-Erben vertritt, Anspruch auf das Grundstück besitzt, das bis 1938 der Familie Wertheim gehörte (vgl. Jüdische Allgemeine vom 21.09.2006). Dennoch weigerte sich KarstadtQuelle lange Zeit, die Erben zu entschädigen.
Der jetzigen außergerichtlichen Einigung waren mehrmonatige Gespräche zwischen JCC-Europadirektor Roman Haller und KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff vorausgegangen. Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl hatte die beiden im September vergangenen Jahres an einen Tisch gebracht. Roman Haller beschreibt die Gespräche als »manchmal zäh, in der Sache hart, aber immer respektvoll«. Obwohl die JCC ursprünglich 127 Millionen Euro für das Lenné-Dreieck verlangt hatte, ist Haller mit dem erzielten Ergebnis zufrieden. Weitere Forderungen würden nun nicht mehr erhoben. Damit ist auch für die KarstadtQuelle AG Rechtssicherheit hergestellt.
Auch Matthias Druba, der deutsche Anwalt der Wertheim-Erben, spricht von einem »angemessenen Ergebnis«. Wichtig sei es gewesen, dass die KarstadtQuelle AG einräumt, dass die Ansprüche der Erben zu Recht bestehen. Daher sei die Summe von 88 Millionen Euro auch akzeptabel. Ausdrücklich würdigt Druba das Verhalten von Thomas Middelhoff. Dieser sagte im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen (vgl. S. 1), er sei den Erben so weit entgegengekommen, wie es seine notwendige Rücksicht auf die Aktionäre zugelassen habe.
Die Sprecherin der Wertheim-Erben, Barbara Principe, die in der Vergangenheit mehrfach an die Öffentlichkeit gegangen war, um Druck auf KarstadtQuelle auszuüben, ist nach Angaben von Anwalt Druba ebenfalls damit zufrieden, neben einer ansehnlichen Summe vor allem Genugtuung erhalten zu haben. Ihr Vater Günther Wertheim hatte nach seiner Emigration in die USA praktisch bei Null angefangen.
Ein Teil der Entschädigungssumme fließt in einen Fonds zur Unterstützung von Holocaust-Überlebenden. Die KarstadtQuelle AG hatte übrigens Vorsorge getroffen. Die 88 Millionen Euro hat der Konzern bereits größtenteils in der Bilanz des Jahres 2006 verarbeitet. Diese Rückstellungen seien jedoch, so Middelhoff, aus verhandlungstaktischen Gründen nicht offiziell ausgewiesen worden.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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