Übertritte

Schuldfrage

von Jonathan Rosenblum

Keiner kann leugnen, dass die Entscheidung eines Beit Din in Aschdod, die Konversion einer der beiden Parteien in einem Scheidungsfall für ungültig zu erklären, eine schwere menschliche Tragödie bedeutete. Die Kinder der Frau, deren Konversion nach 15 Jahren rückwirkend annulliert wurde, mussten erleben, wie ihre le-
benslange Identität als Juden mit einem Mal in Stücke geschlagen wurde.
Die Entscheidung, zum Judentum überzutreten – das heißt, das Joch der Mizwot anzunehmen –, ist vielleicht die folgenschwerste, die ein Mensch treffen kann. Eben weil sie nicht rückgängig gemacht werden kann. Aus der Sicht der Halacha kann ein aufrichtiger Konvertit diesen Status so wenig abwerfen wie ein geborener Jude. So weit, so klar.
Weniger klar ist, wer die Tragödie zu verantworten hat. Es ist nahe liegend, erst einmal dem Beit Din, der die Konversion annullierte, den Schwarzen Peter zuzuschieben. Tatsächlich deuteten, sobald in den säkularen Medien über das Urteil berichtet wurde, die meisten Finger auf Rabbiner Awraham Attias, den Verfasser des Gerichtsentscheids. Es wurden die üblichen Rufe laut, Konversionsfragen in die Verantwortung »aufgeschlossener« natio-
nalreligiöser Rabbiner oder sogar »progressiver« Rabbiner zu geben, um auszuschließen, dass sich solche Tragödien wiederholen.
Ich frage mich, wie viele von denen, die den Kopf von Rabbiner Attias fordern, sich daran erinnern, dass es Rabbiner Schlomo Goren war, der einen Bruder und eine Schwester aus dem halachischen Status der Mamserut (Mamser: Bastard, Kind aus einer verbotenen Beziehung) »befreite«, indem er die Ehe ihrer Mutter zur Zeit ihrer Empfängnis aufhob. Dies wiederum wurde durch die Aufhebung der Konversion ihres Ehemannes bewerkstelligt – trotz der Tatsache, dass dieser Jahrzehnte lang als gläubiger Jude gelebt hatte. Für sein Versprechen, das Problem der zwei Mamserim zu »lö-
sen«, wurde Rabbiner Goren von Premierministerin Golda Meir mit der Berufung zum aschkenasischen Oberrabbiner belohnt, und er wurde zum Nationalhelden.
In Wahrheit geschehen Tragödien wie die in Aschdod ständig. Ich persönlich kannte eine Reihe von Kindern, deren Konversion von Konservativen oder Reformrabbinern vorgenommen worden war und die, als sie zum ersten Mal begannen, ihr Judentum ernst zu nehmen, oder als sie ein orthodoxes Mädchen oder einen orthodoxen jungen Mann heiraten wollten, feststellen mussten, dass sie von einem großen Teil des Weltjudentums nicht als jüdisch anerkannt wurden. Ich habe sogar von jungen Männern gehört, die an einigen der besten Jeschiwot der Welt studierten und erfuhren, dass ihre Mütter nie eine korrekte Konversion erfahren hatten. Ein Geistlicher, der eine Konversion vornimmt, ohne dem Möchtegern-Konvertiten mitzuteilen, dass die Konversion von vielen anderen Juden nicht anerkannt wird, verletzt seine Treuepflicht.
Der einzige Unterschied zum Fall in Aschdod war, dass die rückgängig gemachte Konversion der Frau von einem Beit Din vorgenommen worden war, der sich aus orthodoxen Rabbinern zusammensetzte. Dennoch hat der Beit Din, wie die Frau einräumt, sich offenbar keinerlei Mühe gemacht, sich zu vergewissern, ob sie tatsächlich beabsichtige, das halachische System als für sie bindend zu akzeptieren. Sie hatte nach ihrer Konversion zu keinem Zeitpunkt auch nur die grundlegendsten und verbindlichsten Regeln der Halacha eingehalten.
Orthodoxe Rabbiner – darunter einige mit langen weißen Bärten –, die Konversionen durchführen, ohne dass sie sich herauszufinden bemühen, ob das Bekenntnis des Kandidaten zur Einhaltung der Mizwot echt ist – oft genug trotz zwingender Tatsachen, die das Gegenteil belegen –, sind leider auch eine alte Geschichte.
Vor 30 Jahren besuchte ein deutsches Mädchen, das in einem benachbarten Kibbuz lebte, meinen Ulpan-Kurs. Sie war im neunten Monat schwanger, als der damalige Oberrabbiner Goren persönlich ihre Konversion durchführte. Als ich sie fragte, ob Rabbi Goren sie nach der Wahrscheinlichkeit gefragt habe, dass sie in einem hundertprozentig säkularen Kibbuz die Mizwot einhalte, lachte sie. »Richtig«, sagte sie, »ein kleines deutsches Mädchen kommt hierher und sagt einer Gruppe deutscher Holocaustüberlebender, sie sollten den Speisesaal koscher machen.«
Um die Verabschiedung eines zivilen Ehegesetzes durch die Knesset zu verhindern, nahm Rabbi Schlomo Goren in ei-
nem berühmten Fall persönlich die Konversion einer Frau vor, obwohl diese wiederholt betonte, sie sehe für eine orthodoxe Konversion keine Notwendigkeit und beabsichtige nicht, die Mizwot einzuhalten.
Nicht diejenigen, die strenge Standards für die Konversion hochhalten, lassen einen Mangel an Liebe und Fürsorge für den Konvertiten erkennen. Sondern diejenigen, die die halachischen Forderungen nach einem aufrichtigen Bekenntnis zur Einhaltung der Mizwot ignorieren. Letztere setzen jene, die unter ihrer Schirmherrschaft »konvertiert« sind, viele Jahre später der Gefahr eines schmerzhaften Schocks aus, wenn sie entdecken, dass ihre Konversion nicht universell anerkannt wird.
Ein universell anerkannter Standard bedeutet für den aufrichtigen Konvertiten den größten Schutz. Und die Durchsetzung eines solchen Standards durch verantwortungsvolle rabbinische Gerichte ist der Schlüssel zur vollständigen Integration des aufrichtigen Konvertiten in das jüdische Volk, ohne die ständige Sorge, eines Tages könnte jemand seine oder ihre Konversion in Frage stellen.
Vor einigen Wochen nahm ich an einem dreitägigen Seminar teil, das in Phoenix, Arizona, von der Organisation Eternal Jewish Family (EJF, Ewige Jüdische Familie) veranstaltet wurde. Die Teilnehmer waren 32 gemischte Ehepaare, von denen der jeweils nichtjüdische Partner die Konversion erwog.
Das Seminar in Phoenix war das zweite seiner Art. Von den 32 Ehepaaren, die am ersten teilnahmen, ist in 28 Fällen der nichtjüdische Partner auf dem Weg einer vollen halachischen Konversion. Ein Ehepaar aus dem ersten Seminar wurde in Phoenix halachisch getraut. Weitere sieben Seminare weltweit sind vom EJF geplant; jedes kostet ein paar hunderttausend Dollar.
Die Arbeit mit gemischten Ehepaaren ist nur ein Teil der Aufgaben von EJF. Die Organisation unterstützt einen universell akzeptierten Standard für Konversionen. Sie hat in der Vergangenheit zahlreiche Konferenzen für Richter an Rabbinatsgerichten in den Vereinigten Staaten und Israel organisiert. Eine weitere ist geplant, die in naher Zukunft in Europa stattfinden soll.
Die doppelte Bemühung der EJF liefert den unumstößlichen Beweis, dass die Sorge um universell akzeptierte Standards Hand in Hand geht mit der größten Liebe und Respekt für den Konvertiten.

Der Autor ist Direktor von »Jewish Media Resources« in Jerusalem.

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