Bildungsolympiade

Salam, Grüß Gott, Schalom

von Miryam Gümbel

Junge Frauen mit bunten Kopftüchern, junge Männer mit Kippot und dazwischen noch viele Jugendliche und Erwachsene ohne Hinweis auf ihre Religionszugehörigkeit: Dieses farbenfrohe und lebendige Bild bot sich in der vergangenen Woche im Hubert-Burda-Saal, im Kleinen Saal und im Foyer des Münchner Gemeindezentrums. Anlass für diese Vielfalt war die »Interreligiöse Bildungsolympiade«. Veranstalter waren neben dem Jugend- und Kulturzentrum der IKG der Verein IDIZEM e.V., die Evangelische Jugend München, die Katholische Junge Gemeinde München und die Katholische Jugendstelle Freimann.
IDIZEM steht für Interkulturelles Dialogzentrum. Dieses unterstützt seit acht Jahren den interkulturellen und interreligiösen Dialog in München. Der Verein will das friedliche Miteinander fördern. »Trotz der aktuellen Konflikte«, sagt Zeynep Akkaya von der IDIZEM-Jugendleitung, »sehen wir als junge, in Deutschland lebende Muslime den offenen Dialog als den einzigen Weg zum friedlichen Zusammenleben und der besseren Völkerverständigung.« Voneinander und miteinander lernen wollten an diesem Tag die jungen Menschen, die als Jugendleiter tätig sind oder es demnächst sein werden. Es ging darum zu erfahren, was es heißt, muslimisch, jüdisch oder christlich zu sein. Dabei stand nicht die graue Theorie im Mittelpunkt. In Workshops lernten die jungen Erwachsenen sich und ihre Traditionen zwanglos und gleichzeitig von der jeweiligen Basis her kennen. Was dabei besonders wichtig war und bei allen Beteiligten gut ankam, war die offene Atmosphäre und ein vorurteilsloses Aufeinanderzugehen.
Die Workshops waren aufgegliedert in drei Themenblocks, bei denen die rund 80 Teilnehmer einen Bereich wählen konnten. Unter dem Motte »Homebase« ging es um »Unsere Religiionen«. Unter dem Titel »Wo jüdischer Glaube gelebt wird« übernahm Eva Fabian vom Jugend- und Kulturzentrum als eine der rund 30 Referenten und Organisatoren die Synagogenführung. Diese Gelegenheit nahm ein Großteil der jungen Teilnehmer gerne und mit Begeisterung wahr. Von katholischer Seite erzählte Pascal Sommertorfer vom Franziskaner-Orden unter dem Motto »Ein Mönch zum Anfassen« über seinen Ordensgründer Franz von Assisi, der durch seine Liebe zur gesamten Schöpfung weit über das Christentum hinaus bekannt ist.
Beim islamischen Workshop ging es um »Sufismus und Tanz der Derwische im Islam«. Über diesen Weg der Mystik wird der Weg zu Gott beschritten. Hier wurde ein Film gezeigt, der die Teilnehmer in diese für die meisten fremde Welt einführte.
Selbst aktiv werden konnten die jungen Menschen zwischen 15 und 21 Jahren dann beim nächsten Themenblock in vielfältiger Weise. Unter dem Motto »Crossover« waren sie hier aufgefordert, über den Tellerrand des eigenen Kulturkreises zu blicken. Kunstvoll, aber auch in frommer Geisteshaltung gefertigt, sind handgeschriebene Tora-Rollen ebenso wie Ausfertigungen des Korans noch heute wichtiger Bestandteil im jüdischen wie im muslimischen religiösen Leben. Referent Türksezer und Yehuda David zeigten die Geheimnisse schöner Schrift auf und führten die Workshop-Teilnehmer in die jeweilige Kalligrafie ein.
Viel Spaß machte allen das Tanztreffen mit Stanislav Kukharkov unter dem Motto »Hip-Hop trifft Klesmer«. Der Rhythmus steckte an und in Kürze tanzte die Gruppe begeistert durchs Foyer. Im Literaturcafé lasen Zeynep Akkaya, Matthias Kachel, Olga Mannheimer, Marianne Meyer und Kathrin Salvermoser verschiedene Texte und sprachen mit den Jugendlichen darüber. Zu den Highlights zählte der Workshop »Salam – Grüß Gott – Schalom«. Gila Melzer, die in der Jüdischen Volkshochschule des IKG-Kulturzentrums Iwrit-Unterricht gibt, bot Interessierten hier einen Schnuppersprachkurs in der türki-
schen, bayerischen und hebräischen Sprache. Unterstützt wurde sie dabei von Experten für Deutsch und Türkisch. Die Begeisterung der Teilnehmer war für alle Besucher der Bildungsolympiade auch am Tagesende noch im Foyer sichtbar auf einer großen Tafel, an der sich die Teilnehmer über ihre Eindrücke äußerten. Schalom = Salam war hier der sichtbare Ausdruck für den Erfolg der Annäherung der verschiedenen Religionen und Konfessionen. Noch vor dem Nachhauseweg schrieb so mancher Jugendliche noch einen weiteren Kommentar dazu. Als drittes Workshopthema gab es noch »Actiontime: in Bewegung bleiben«. Gruppen-
spiele mit Indra Dhillon, ein Jonglieren mit Maria Trabalik sowie eine Rollstuhlrallye, bei der die Schwierigkeiten von Menschen mit einem solchen Handicap einmal selbst nachvollzogen werden konnten, standen hier zur Auswahl. Besonders begeistert zeigten sich die Jugendlichen von dem Angebot eines »Impro-Theaters«, bei dem sich unter Leitung von Barry Goldman bis zu 25 Jugendliche gleichzeitig auf der Bühne des Hubert-Burda-Saales in verschiedenen Darbietungen versuchten. Der Applaus der anderen Workshop-Teilnehmer war groß. Bei so viel Aktivitäten durfte auch eine Stärkung zwischendurch nicht fehlen. Da gemeinsames Essen alle Kulturen verbindet, war dieses ebenfalls themenbezogen: Spezialitäten der jüdischen Küche hatten die Teilnehmer der Bildungsolympiade bereits in der Mittagspause genießen können. Zum Abschluss gab es türkischen Tee und Gebäck für alle.
Die Bildungsolympiade hat sich auch im zweiten Jahr ihres Bestehens als Erfolg erwiesen. Und weil alle Teilnehmer ganz persönliche gewonnen haben, gab es zum Abschluss keine Medaillen, sondern viel Applaus und für die Aktiven eine Blume als Dankeschön.

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026