Publikum

Saal als Bühne

von Marina Maisel

Auf der Bühne im Jugendzentrum der IKG war Anfang Juni das Kindermusiktheater »Feuerwerk« unter Leitung von Elena Dinitz mit »Chaos im Märchenland« von Samira Rippegather zu sehen. Die jungen Schauspieler fesselten das Publikum bis zur letzten Sekunde. Erst als alle Märchenfiguren sich in einem letzten Tanz glücklich verbanden, war das Chaos im Märchenland zur Erleichterung der Zuschauer endlich überwunden. Es war ein gelungener Auftakt der Theatertage, mit schönen Kostümen, guter Musik und bezaubernden Tanzeinlagen.
Zum Klass-Konzert lud am nächsten Tag das Jugendtheater »Lo-Minor« alle Theaterfreunde ein. Clowns und Akrobaten brachten das Publikum mit Pantomime und lustigen Tänzen in Stimmung. Danach kamen zwei Theaterstücke von Ephraim Kishon und Franziska Polanski auf die Bühne. Zuletzt versuchte »Lo-Minor«, das Publikum mit szenischen Improvisationen zu beeindrucken. Die emotionale Verbindung zwischen Bühne und Saal war fast mit Händen greifbar. Da lag der Gedanke nicht fern, diesen Kontakt für ein kleines Wechselspiel zu nutzen.
Am dritten Tag des Theatermarathons war es dann dafür so weit: Noch vor dem eigentlichen Vorstellungsbeginn bekamen alle Zuschauer kleine Zettel, auf die sie beliebige Sätze schreiben sollten. Niemand ahnte, dass diese spontanen Notizen die Vorlage sein würden für ein ganz besonderes Theatervergnügen. Meisterhaft flochten kurz darauf die Schauspieler diese Aufzeichnungen des Publikums in ihre Szenen ein. Eine solche amüsante Improvisation ließ niemanden gleichgültig, der Saal dröhnte vor Lachen.
»Wir hatten uns das Ziel gesetzt, nicht nur das Publikum zu gewinnen, sondern es auch aktiv auf die Bühne zu bringen«, sagt Anastasija Komerloh, Leiterin von »Lo-Minor«. Ein paar lustige Sketche der Schauspieler fegten die letzten Hemmungen im Saal hinweg. Auf der Bühne spielte auf einmal eine spontan gebildete Theatergruppe aus Schauspielern und mutigen Zuschauern. Dabei kam es zeitweise vor, dass nur Darsteller aus dem Publikum das Bühnengeschehen beherrschten. Dann wieder traten die Artisten von »Lo-Minor« auf den Plan, um das Spiel mit ihren unerschöpflichen Ideen zu inspirieren. Das hielt eine ganze Menge Spaß für beide Seiten bereit. Das Publikum spielte mit.
Elina Sparberg, Sozialpädagogin des Jugendzentrums, kündigte für 2008 ein Theaterfestival an, bei dem zusammen mit »Feuerwerk« und »Lo-Minor« auch andere Theatergruppen auftreten werden.

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