selbstlos

Reine Absichten

Im Wochenabschnitt Wajechi geht es um eine reine Liebestat. Unser Stammvater Jakow bat seinen Sohn Josef: »Erweise mir Liebe und Wahrheit. Begrabe mich nicht in Ägypten« (1. Buch Moses 47,29). Zu diesem Vers zitiert Raschi (1040–1105) eine sehr bekannte Aussage unserer Weisen: »Eine Wohltat, die man einem Toten erweist, wird ›wahre Barmherzigkeit‹ (Chessed schel Emes) genannt, weil man vom Verstorbenen keine Gegenleistung erwarten kann.« Alle anderen guten Taten könnten mit Hintergedanken ausgeführt worden sein, aber für diese Wohltat gilt dies nicht.
Rav Jakov Neiman stellt in seinem Werk Darchej Mussar eine Frage zu dieser Raschistelle. Die Gemara sagt: »Wer eine Grabrede hält, für den wird eine Grabrede gehalten; wer andere begräbt, der wird be- graben« (Ketubot 72a). Dies scheint zu bedeuten, dass jemand, der sich um Verstorbene kümmert, sehr wohl eine Gegenleistung erwarten kann. Dies widerspricht der oben erwähnten Aussage unserer Weisen.
Aus diesem Grund zeigt Rav Neiman dieses Konzept aus einem neuen Blickwinkel. Wenn unsere Weisen sagen, dass man keine Gegenleistung für die Beschäftigung mit einem Verstorbenen erwarten darf, bedeutet dies nicht, dass die Gegenleistung ausbleiben wird. Es bedeutet, dass es den Menschen nicht kümmern sollte, ob er etwas dafür erhält oder nicht. Wenn sich jemand mit Verstorbenen beschäftigt, erhält sein Leben eine neue Perspektive.
Mit anderen Worten: Wenn wir an einer Beerdigung teilnehmen, sehen wir unser Leben anders. Oft ist es so, dass das, was uns vorher hochwichtig erschien, auf seine wahre Bedeutung schrumpft. Ehre und Anerkennung werden bedeutungslos.
Das Ausüben von Wohltaten gegenüber Verstorbenen – sei es die Tahara (die Vorbereitung des Verstorbenen vor der Beerdigung), sei es, ein Schomer zu sein (das ununterbrochene Überwachen des Leichnams bis zur Beisetzung) oder an einer Beerdigung teilzunehmen – hebt den Menschen auf eine andere Bewusstseinsstufe. Unter diesen Umständen denkt er nicht mehr an Gegenleistung, weil sie für diesen Menschen nicht mehr wichtig ist.
Wohltaten gegenüber Verstorbenen werden »wahre Güte« genannt, weil sie dem Menschen das wahre Bild zeigen. Sie eröffnen ihm, was wichtig und wahr ist im Leben. Dazu passt auch die Bitte, die wir im Mussafgebet aussprechen: »Taher Libenu Leavdecha Beemes«, »reinige unser Herz, dir in Wahrheit zu dienen«. Diese Reinheit des Herzens bekommen wir, wenn wir die Gebote aus reiner Absicht sprechen. Wir sollten uns häufiger selbst fragen: Warum lege ich Tefillin? Warum gehe ich in die Synagoge? Was tue ich, wenn ich alleine bin? Wir müssen zurückkommen zu »leschem schamaim«, das heißt, die Mizwot um ihrer selbst willen zu erfüllen und nicht, um Ehre und Ansehen zu erlangen.
So sagt der Rambam, der große mittelalterliche Gelehrte Maimonides (um 1138–1204): Wer nur einmal eine Mizwa mit reinen Absichten erfüllt, erwirbt sich einen Anteil an der kommenden Welt. Was für G’tt zählt, ist unsere reine Absicht, unser Bestreben, Wahrheit zu suchen und unsere Maßstäbe entsprechend zu setzen. Dieser Wochenabschnitt zeigt uns, wie wichtig es ist, aus reiner Absicht zu handeln. Wir alle können beginnen zu handeln und uns bewusst machen, wie kostbar eine Mizwa wird, wenn sie aus reiner Absicht ausgeführt wird.

Feiertage

Chatima towa, oder was?

Was von Rosch Haschana über Jom Kippur bis Sukkot die korrekte Grußformel ist

von Rabbiner Yaacov Zinvirt  11.09.2026 Aktualisiert

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Westjordanland

Auslandspresseverband in Israel fordert Schutz für Journalisten

Gewalttätige Siedler attackieren US-Journalisten im Westjordanland – der Auslandspresseverband warnt vor einem gefährlichen Trend

 30.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Desinformation

Was steckt hinter dem International Burke Institute?

Die KI-Firma OpenAI hat nach eigenen Angaben eine verdeckte russische Beeinflussungskampagne aufgedeckt, die sich als israelisch inszeniert haben soll

 26.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026