Stiftung

Rau zu Ehren

Johannes Rau war ein Freund Israels und der Juden. Als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen nahm der SPD-Politiker an Einweihungen von Synagogen und jüdischen Einrichtungen teil. Vielen jüdischen Zuhörern sprach er dabei aus dem Herzen oder traf den richtigen Ton bei den Holocaust-Überlebenden und den Zuwanderern.
Johannes Rau war aber auch der immer etwas pastoral wirkende Politiker, der bei allen möglichen Anlässen um passende Bibelsprüche nicht verlegen war. Jüdisch interessiert, christlich, ja protestantisch geprägt, lässt sich der 2006 verstorbene spätere Bundespräsident beschreiben. Der christlich-jüdische Dialog war für den bodenständigen Rau nicht nur Floskel, die gut in die jüdische Aufbruchzeit der Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion Anfang der 90er-Jahre passte.
Sein Engagement gerade in dieser Zeit haben ihm auch die beiden Landesverbände der jüdischen Gemeinden Nordrhein und Westfalen-Lippe und die Synagogen-Gemeinde Köln nicht vergessen. Sie wollen sich jetzt an einer von der protestantischen Landeskirche im Rheinland initiierten »Johannes-Rau-Stiftung« beteiligen. Für die Einzahlung eines symbolischen Betrags bekommen sie Sitz und Stimme im Stiftungsbeirat und können über die Vergabe von Stiftungsgeldern mitentscheiden.
Obwohl schon länger darüber nachgedacht wird und eine erste Besprechung der voraussichtlichen Beirats-Mitglieder stattgefunden hat, will die Kirche das Stiftungsziel noch nicht nennen. So bestätigte Landeskirchenrat Jörn-Eric Gutheil auf Anfrage zwar das Bestehen der Initiative, einen Gründungstermin nannte er allerdings noch nicht. Gutheil betont, dass sie von einem »breiten gesellschaftlichen Spektrum« getragen werden solle. Nur so könne man dem Wirken von Johannes Rau gerecht werden. Doch auch zur Höhe des Stiftungskapitals wollte Gutheil noch nichts sagen. Im Gespräch sind etwa fünf Millionen Euro.
Dass Rau der richtige Namensgeber für eine Stiftung im Sinne des christlich-jüdischen Dialogs ist, steht außer Zweifel. Rau erhielt 1986 als erster Deutscher die Ehrendoktorwürde der Universität Haifa. Auf seine Anregung hin wurde 1991 der »Wald der deutschen Länder« gegründet. 1995 wurde Rau für dieses Engagement vom Jüdischen Nationalfonds mit dem Goldenen Olivenzweig ausgezeichnet. Der Zentralrat der Juden in Deutschland ehrte ihn im selben Jahr mit dem Leo-Baeck-Preis. Als erstes deutsches Staatsoberhaupt hatte Rau im Februar 2000 in der Knesset über den Holocaust und die deutsche Schuld gesprochen. Seit 2000 gibt es auch Johannes-Rau-Stipendien, die israelischen Jugendlichen einen Deutschlandaufenthalt ermöglichen und ein Herzstück des deutsch- israelischen Jugendaustauschs bilden.
Mit dem Zentralratspräsidenten Paul Spiegel sel. A. war Rau eng befreundet. In seinem bewegenden Nachruf unter dem Titel »Er erreichte die Herzen und Köpfe der Menschen« hatte Spiegel wenige Monate vor seinem eigenen Tod von Rau Abschied genommen. Jan Popp-Sewing

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