Mini-Machane

Purim, Pop und Pessach

von Marcus Kirzynowski

Aus dem Gruppenraum »Zollverein« der Ju-
gendherberge in Essen-Werden klingen hebräische Lieder. Knapp 40 Stimmen singen »Ma Nischtana«. Edna Brocke, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge Essen, hat den jüngsten Mitgliedern der Jüdischen Kultus-Gemeinde vorher die Bedeutung dieses Liedes für das Pessachfest erklärt. »Die Rolle der Kinder ist bei jedem jüdischen Fest ganz zentral«, sagt sie. Gerade diejenigen, die zu Hause nicht so viel über ihre Religion erfahren, sollen diese Rolle hier kennen lernen, um so die Tradition zurück in ihre Familien zu tragen.
Die Kleinen sind zum ersten Mini-
Machane seit mehr als 50 Jahren gekommen, das die Essener Gemeinde in dieser Woche veranstaltet hat. Fast alle Gemeindemitglieder zwischen acht und zwölf Jahren haben daran teilgenommen. »Kinder sind mit das Wichtigste in der Gemeinde«, betont Hans-Hermann Byron, der stellvertretende Vorsitzende. Die religiösen Kenntnisse seien sehr unterschiedlich, erklärt er. Bei manchen müsse erst einmal ein Grundinteresse geweckt und ein Funke für den Glauben erzeugt werden. »Wir versuchen, gerade diejenigen, für die Religion neu ist, an unseren Glauben heranzuführen«, nennt auch Illya Manulis ein wichtiges Ziel der viertägigen Veranstaltung. Der 25-Jährige ist Jugendgruppenleiter in der Gemeinde.
Übergreifendes Thema des Mini-Machanes ist das bevorstehende Purimfest. An zwei Nachmittagen üben die Kinder deshalb ein Theaterstück ein, das die Geschichte des Königs Haman erzählt, und am letzten Abend aufgeführt wird. Ansonsten stehen Gemeinschaftsspiele und viele sportliche Aktivitäten auf dem Programm. Während die Jungs Fußball spielen, versuchen sich die Mädchen im Hip Hop Tanzen. Um 7 Uhr früh beginnt der Tag jeweils mit Joggen rund um die idyllisch gelegene Jugendherberge mit Blick auf die Ruhr. Für die 11-jährige Mascha sind die Erklärungen der jüdischen Feste nichts Neues. Sie ist früher regelmäßig zum Religionsunterricht in der Gemeinde gegangen. »Für viele Jüngere ist es aber schon neu«, sagt die 12-jährige Yana. Auch wenn die beiden etwa 90 Prozent der anderen Kinder bereits aus der Gemeinde kennen, ist das Machane doch eine gute Gelegenheit, sich besser kennenzulernen. Die beiden Mädchen freuen sich vor allem auf die Disko am Dienstagabend. »Mit echter Diskokugel«, sagt Mascha. »Um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, müssen die Kinder mal aus ihrer gewohnten Umgebung heraus«, sagt Byron. In der Werdener Jugendherberge ist er dabei auf sehr offene Gastgeber gestoßen. Das Herbergs-elternpaar Ladwig hat sich ganz auf die Bedürfnisse der jüdischen Gruppe eingestellt. Vom Einkauf der Lebensmittel über das Kochen bis zur Essensausgabe werden die Kaschrutregeln genauestens eingehalten.
Gut 900 Mitglieder hat die Essener Gemeinde. Dazu, dass die jüngsten nicht den Kontakt zum jüdischen Leben verlieren, haben die vier gemeinsam verbrachten Tage mit Sicherheit beigetragen.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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