Hasskriminalität

Politisch motivierte Delikte auf Höchststand: Faeser kritisiert AfD

Foto: imago images/Christian Ohde

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten hat im vergangenen Jahr zum vierten Mal in Folge zugenommen und damit einen neuen Rekord erreicht. Der Anstieg um rund sieben Prozent auf 58.916 Straftaten hängt nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) unter anderem mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zusammen.

Dieser habe in Deutschland 2022 viele Menschen stark beschäftigt - auch aufgrund der Angst vor dadurch möglicherweise bedingten Versorgungsengpässen. Zu Beginn des vergangenen Jahres spielten laut BKA noch Straftaten im Umfeld nicht-angemeldeter Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie eine Rolle - vor allem in Ostdeutschland.

Wie aus der Statistik, die BKA-Präsident Holger Münch und Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Dienstag in Berlin vorstellten, weiter hervorgeht, zählte die Polizei auch deutlich mehr Delikte im Zusammenhang mit Klima- und Umweltschutz. Hier verzeichnete das BKA einen Anstieg um knapp 73 Prozent auf 1716 Straftaten. Meistens ging es dabei um Sachbeschädigung, Nötigung, Bedrohung sowie um Verstöße gegen das Versammlungsgesetz oder um Hausfriedensbruch.

Straftaten und Klimaschutz Der Klimaschutz sei zwar ein wichtiges Anliegen, das sie selbst auch teile, betonte Faeser. »Aber ich teile nicht, dass man dafür Straftaten begehen muss und dass andere Menschen verletzt werden«, fügte sie hinzu. Ihr mache es auch Sorge, »dass häufig Rettungswagen behindert werden«. Die Frage, ob sie bei der Gruppe Letzte Generation Radikalisierungstendenzen sehe, verneinte die Ministerin.

Auch bei Straftaten im Bereich der sogenannten Hasskriminalität, die nach Einschätzung der Polizei aus »ausländerfeindlichen«, rassistischen oder als »fremdenfeindlich« bezeichneten Beweggründen verübt wurden, war 2022 ein Anstieg zu beobachten. 340 Hass-Straftaten wurden zudem als »deutschfeindlich« eingeordnet. Die Zahl der antisemitischen Hass-Delikte sank zwar um knapp 13 Prozent, war allerdings mit 2641 Straftaten immer noch relativ hoch. Mehr als 80 Prozent der antisemitischen Straftaten wurden von der Polizei dem rechten Spektrum zugeordnet. »Zugleich sehen wir einen immer lauteren islamistisch geprägten Antisemitismus«, sagte Faeser.

Die Innenministerin warnte davor, Hass und Hetze zu verharmlosen. Sie verwies auf den starken Anstieg von Straftaten, die sich gegen Asylunterkünfte und Geflüchtete richteten. Dass diese Straftaten zugenommen hätten, habe etwas mit dem gesellschaftlichen Klima zu tun, sagte Faeser.

Rechtsaussen Deshalb müsse man bei diesem Thema immer überlegen, »wie wird die Kommunikation geführt, und da will ich vor allem noch einmal nach rechts außen auch zur AfD zeigen«. Da aus Worten oft Taten würden, sei sie auch froh, dass der Verfassungsschutz rechtsextremistische Gruppierungen klar benenne. »Da ist ja unter anderem die Jugendorganisation der AfD dabei«, sagte die SPD-Politikerin. Sie fügte hinzu: »Das sind wichtige Meilensteine«.

Einen deutlichen Anstieg um knapp 40 Prozent auf 1865 Fälle verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr bei den von sogenannten Reichsbürgern und Selbstverwaltern verübten Straftaten. Den Schwerpunkt bildeten hier den Angaben zufolge Nötigungen, Bedrohungen und Beleidigungen. »Reichsbürger« sind Menschen, die die Bundesrepublik und ihre demokratischen Strukturen nicht anerkennen.

Der Verfassungsschutz rechnete der Szene der »Reichsbürger« und »Selbstverwalter« 2022 deutschlandweit etwa 23.000 Menschen zu. Ende 2022 hätten noch etwa 400 »Reichsbürger« über eine Erlaubnis zum Waffenbesitz verfügt, sagte Faeser. Um beim Entzug dieser Erlaubnisse schneller voranzukommen, müsse die von ihr vorgeschlagene Reform des Waffenrechts umgesetzt werden. Gegen Faesers Vorschlag gibt es unter anderem Bedenken beim Koalitionspartner FDP.

Gefährdungslage Obgleich die Zahl der Straftaten aufgrund religiöser Ideologie im vergangenen Jahr mit 481 Fällen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres lag, betont das BKA in seinem aktuellen Bericht zur politisch motivierten Kriminalität das »Fortbestehen der anhaltend hohen Gefährdungslage durch den islamistischen Terrorismus innerhalb Deutschlands«.

Knapp 42 Prozent der politisch motivierten Delikte wurden im vergangenen Jahr aufgeklärt. Die Quote lag in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Als »aufgeklärt« gilt eine Straftat in der Statistik, wenn mindestens ein namentlich bekannter Tatverdächtiger ermittelt wird.

Laut der Jahresbilanz des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt ereigneten sich 2022 täglich bis zu fünf rechte Angriffe alleine in den zehn Bundesländern, in denen Anlaufstellen für Betroffene diese systematisch erfassen. Einen besonders starken Anstieg habe es bei Angriffen auf Minderjährige gegeben, teilte der Verband am Dienstag mit.

Minderjährige Insgesamt 2861 Menschen seien in Ostdeutschland, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein direkt von politisch rechts motivierten Angriffen betroffen gewesen. Den Angaben zufolge waren das 520 betroffene Minderjährige in 2022. Im Jahr zuvor waren es 288 Kinder und Jugendliche.

Die Leiterin der Ombudsstelle der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung, Doris Liebscher, geht davon aus, das es bei vielen Gewalttaten mit rechten, rassistischen und antisemitischen Motiven nicht zur Anzeige kommt. Außerdem würden die Motive von Polizei und Staatsanwaltschaft häufig nicht richtig erkannt. Richterinnen und Richter berücksichtigten diese oft bei der Strafzumessung nicht angemessen.

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026