Reuven Rubin

Pionier mit Palette

von Simon Gruenewald

Gleich mit zwei großen Retrospektiven wird Reuven Rubin, Gründervater der israelischen Malerei, derzeit geehrt: Das Israel Museum in Jerusalem und das Tel Aviver Museum für Bildende Kunst zeigen zwei gemeinsam konzipierte Ausstellungen.
Reuven Rubin war einer der ersten Künstler des Jischuv, der internationale Anerkennung erlangte. Der gebürtige Rumäne ging als 19-jähriger nach Palästina und studierte 1912/13 an der ersten hebräischen Kunstakademie, der damals noch im Aufbau begriffenen Bezalelschule. Doch mit der Bezalel-Ideologie, die mehr in Richtung Kunsthandwerk und der Herstellung von Palästina-Souvenirs ging, als zu anspruchsvoller Kunst, war Rubin nicht einverstanden. Er verließ das Land und studierte in Paris, Rom, Czernowitz und Bukarest weiter. Nach einem Aufenthalt in New York, wo er mit einer Ausstellung in der Galerie des berühmten Fotografen Alfred Stieglitz den künstlerischen Durchbruch schaffte, kehrte er 1922 dauerhaft nach Palästina zurück, wo er zum führenden Künstler des Jischuv wurde. Viele Kritiker sehen die frühe Schaffensperiode Rubins in den zwanziger und dreißiger Jahren als seine künstlerisch wertvollsten Jahre an. Zum Ende sei- ner Karriere sackte sein Niveau häufig auf das des Souvenirkitsches ab, den er in seiner Jugend so vehement abgelehnt hatte. Vor allem viele seiner späten Landschaftsbilder im naiven Stil waren auf den Massengeschmack von Israeltouristen hin gemalt. Rubin, 1973 Träger des Israelpreises und von 1948 bis 1950 der erste Botschafter Israels in seinem Geburtsland Rumänien, starb 1974 in Cäsarea.
140 Bilder Rubins aus seiner israelischen Schaffensperiode zeigt die Tel Avi-ver Ausstellung Makom Chalom, deutsch »Traumland«. Die umfassende Schau in großzügigen Räumlichkeiten wurde von Carmela Rubin kuratiert, der Schwiegertochter des Künstlers und Leiterin des Rubin-Hauses in Tel Aviv, einem kleinen Museum, das ganz dem Werk des zionistischen Malers gewidmet ist.
Mit fünfzig Gemälden, Holzschnitten und Plastiken deutlich kleiner und strenger kuratiert ist die Ausstellung Nevieh Be Iroh (»Propheten and Visionäre«) im Israel Museum in Jerusalem, die Einblicke in die Frühphase des Künstlers vor seiner endgültigen Alija erlaubt. Diese Phase von 1914 bis 1923 war bisher noch wenig erforscht und noch seltener ausgestellt worden. Sie war gekennzeichnet von der sehr persönlichen Auseinandersetzung Rubins mit dem jüdischen Glauben. In dieser Zeit häufen sich bei ihm die Darstellungen von Propheten, er zeichnet ein recht düsteres Bild seines Daseins in der Diaspora. Stilistisch sind diese Bilder stark von Symbolisten wie Ferdinand Hodler, Franz von Stuck, aber auch von Egon Schiele inspiriert. Seinen Zionismus verschlüsselt Rubin zu dieser Zeit vorzugsweise mit christlichen Symbolen. In dem Gemälde Die Madonna der Vagabunden zum Beispiel sitzt eine marienähnliche Figur auf dem Boden, umgeben von grünen Pflanzen-sprösslingen, ihre pralle Brust entblößt. Im Bildvordergrund liegt ein Jesuskind auf der blossen Erde. »In der christlichen Ikonografie ist das Jesuskind Zeichen der Erlösung und des Beginns eines neuen Menschenzeitalters, der messianischen Zeit«, sagt Amitai Mendelsohn, der Kurator der Ausstellung: »Hier jedoch symbolisiert es den ‚neuen Juden’ der in seiner Heimstatt wiedergeboren wird.« Auch das Bild Elijah und die falschen Propheten verwendet christliche Ikonografie zur Illustration jüdischer Inhalte. Rubin ersetzt hier den in der jüdischen Darstellung vorkommenden Stier durch die Figur eines Lammes, des christlichen Agnus Dei.
Die Tel Aviver Ausstellung ist bis 3. März geöffnet, die in Jerusalem bis 10. Juli. Eine Dauerausstellung zu Leben und Werk des Malers zeigt das Rubinmuseum in Tel Aviv.

www.imj.org.il
www.tamuseum.com
www.rubinmuseum.org.il

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