heilsam

Pampelmusen fürs Herz

von Tobias Kaufmann

Jetzt also Grapefruit. Nach einer Studie israelischer Forscher kann der tägliche Verzehr einer Pampelmuse das Risiko von Herzerkrankungen beträchtlich verringern. Denn die Antioxidanzien in den Früchten, besonders den roten, senken offenbar den Cholesterinwert im Blut – und der gilt nach Ansicht von Medizinern als einer der größten Risikofaktoren für Herzkrankheiten. Seit Jahren durchleuchten Wissenschaftler Lebensmittel nach ihrer gesundheitsfördernden Wirkung. Gegen einen der größten »Killer« der zivilisierten Welt – den Herzinfarkt – empfahlen zahlreiche Studien von Medizinern, Lebensmittelchemikern und Biologen bisher Wein, Bitterschokolade, Knoblauch, Mandeln, Seefisch und Obst und Gemüse generell. Der niederländische Forscher Oscar Franco am Rotterdamer Erasmus Medical Center hat 2003 aus diesen Zutaten ein »Polymahl« fürs Herz zusammengestellt. Nach Ansicht von Shela Gorinstein gehören Grapefruits nun dringend dazu.
Die Wissenschaftlerin am Institut für Medizinische Chemie und Naturprodukte an der Hebräischen Universität Jerusalem hat die Pampelmusen-Studie geleitet. Zu ihrem Team gehörten außerdem Abraham Caspi, Professor für Kardiologie vom Kaplan-Krankenhaus in Rechovot, sowie Kollegen in Singapur und Polen. Getestet wurde im Kaplan-Krankenhaus an 57 Patienten, Männern und Frauen, die sich zuvor einer Bypass-Operation unterzogen hatten und einen chronisch hohen Cholesterinwert aufwiesen. Die 39- bis 72jährigen Patienten wurden in drei Gruppen geteilt: Eine bekam zu der gemeinsamen, kontrollierten 30-Tage-Diät täglich eine rote Grapefruit zu essen, die zweite täglich eine weiße Grapefruit, während die dritte gar keine Grapefruit essen durfte. Ergebnis: Die Werte der dritten Gruppe blieben unverändert, während bei den Patienten der ersten beiden Gruppen der Cholesterinlevel signifikant zurückging. Die rote Pampelmuse senkte zusätzlich besonders deutlich den Anteil bestimmter Lipide (fettähnliche Stoffe) im Blut, die als Risikofaktor für Arterienverkalkung gelten. Ob die Früchte in Gänze verzehrt werden, oder nur ihr Saft, macht aus Sicht der Forscher keinen Unterschied.
Zwar ist die statistische Grundlage der Studie nicht besonders groß, aber ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler beeindruckt. »Ich forsche seit 25 Jahren an verschiedenen Lebensmitteln und ihrem Ef- fekt auf Cholesterol. Ich habe Studien über Bier, Dattelpflaumen, Äpfel, Birnen und Kreuzungen wie die Pomelit gemacht«, erzählte Gorinstein dem israelischen Internetdienst israel21c.org. Durch die Studie mit Grapefruits ließ sich die Annahme erhärten, daß Zitrusfrüchte cholesterinsenkend wirken. Da Grapefruit jedoch unter Umständen Wechselwirkun- gen mit bestimmten Medikamenten verursachen kann, empfehlen die Wissenschaftler Patienten, sie sollten ihren Arzt konsultieren, bevor sie eine Pampelmusendiät in Angriff nehmen. Grundsätzlich jedoch gilt für Gorinstein: »Wenn wir es schaffen, Cholesterin mit natürlichen Produkten statt mit Medikamenten zu bekämpfen, dann wäre es unser Sieg.« Die Untersuchung über den Verzehr von Pampelmusen hat die Forscherin etwas sicherer gemacht, daß dieser Sieg möglich ist. Entsprechend euphorisch bekennt Gorinstein: »Ich bin sehr stolz auf diese Studie. Denn sie wurde von israelischen Forschern mit israelischen Patienten und israelischen Grapefruits gemacht.«
Damit will sich Gorinstein allerdings nicht begnügen. Sie bereitet sich bereits auf die nächste Studie vor: »Effekte von exotischen Früchten auf Cholesterin«.
www.huji.ac.il

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