Tadschikistan

Palast statt Bethaus

von Lev Krichevsky

Die einzige Synagoge Tadschikistans existiert nicht mehr. Die Regierung des zentralasiatischen Landes hat vor vier Wochen beschlossen, sie abzureißen. Als Entschädigung bietet sie ein Grundstück, das weit von dem Stadtteil entfernt ist, wo die meisten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde leben.
Am 8. Februar zerstörten laut Gewährsleuten in der Hauptstadt Duschanbe Abbruchkolonnen einen Teil der zur Synagoge gehörenden Gebäude, einschließlich des rituellen Bads und der Unterrichtsräume. Der Hof der Synagoge wurde in einen Schuttabladeplatz verwandelt. Der Abbruch des verbliebenen Teils des einstöckigen Gebäudes ist für später vorgesehen.
Der Streit um die hundertjährige Synagoge von Duschanbe begann vor einigen Jahren. Im Mai 2004 forderten die städtischen Behörden die jüdische Gemeinde auf, die Synagoge zu räumen, um Platz zu schaffen für einen Palast der Nationen und einen Nationalpark, die an dieser Stelle entstehen sollen.
Den Vorschlag der Gemeinde, die Synagoge zu restaurieren und sie in den neuen architektonischen Komplex einzubinden, lehnten die Behörden ab. Nach Verhandlungen mit der Stadt wurde der jüdischen Gemeinde ein Grundstück weit entfernt am Stadtrand zur Verfügung gestellt, um dort eine neue Synagoge zu errichten. Das kann sich die kleine, überalterte und verarmte Gemeinde jedoch nicht leisten. Sie wird auf etwa 400 Mitglieder geschätzt, die meisten kommen aus Buchara. Etwa 200 besuchen regelmäßig die alte Synagoge. Neben dem Gottesdienst und einigen Wohltätigkeitseinrichtungen gibt es in der kleinen Gemeinde eine Sonntagsschule.
Gemeindevertreter glauben nicht, daß sich hinter dem Abbruchplan Antisemitismus verbirgt. Man bedauert, daß es der Gemeinde nicht gelungen ist, die Beziehungen zur Regierung zu verbessern und mit den städtischen Behörden eine geeignetere Lösung zu finden.
Vor zwei Jahren sprach Lev Levaev, Präsident der Vereinigung Jüdischer Gemeinden der ehemaligen Sowjetunion (FJC) und Leiter des Weltkongresses Bucharischer Juden, beim tadschikischen Präsidenten Emomali Rachmonov vor mit der Bitte, die Abrißpläne aufzugeben. Lewaev legte einen Gegenvorschlag vor. Dieser hätte die Errichtung des Palasts und die Anlegung des Parks nicht beeinträchtigt. Die FJC verurteilte den Abbruch und empfahl der Stadt, sie solle der jüdischen Gemeinde einen neuen Ort zur Verfügung stellen.
Chabad, das die meisten neuen Synagogen in der ehemaligen Sowjetunion gebaut hat, unterstützt normalerweise keine Gemeinden mit weniger als 1000 Mitgliedern. Die jüdische Bevölkerung von Duschanbe ist heute nur noch ein Bruchteil der einst großen Gemeinde. Sie bestand aus einheimischen bucharischen Juden und einer großen Zahl von Flüchtlingen des Zweiten Weltkriegs, aschkenasischen Juden aus dem europäischen Teil der UdSSR.
In den 90er Jahren, während eines Bürgerkriegs, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zwischen einheimischen rivalisierenden Clans ausbrach, gingen die meisten Juden aus Duschanbe fort nach Rußland, Israel und in die Vereinigten Staaten. Die FJC möchte die Situation weiterhin beobachten und versuchen, zusammen mit den lokalen Behörden eine Lösung für die in Duschanbe verbliebenen Juden zu finden.

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026