Düsseldorf

Orient am Rhein

von Jan Popp-sewing

Es riecht noch dezent nach frischer, feuchter Farbe. Genau rechtzeitig zur ersten Feier ist die neue »Lounge« der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf fertig geworden. »Ahhh« und »Wow« sind die Kommentare der meisten Besucher, die den Raum an diesem Samstagabend zum ersten Mal betreten. Es sind rund 40 Gemeindemitglieder im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, die sich nach der gemeinsamen Feier zum Schabbat-Ausgang zur ersten »Lounge Night« treffen.
Düsseldorfs Eventmanagerin Vanessa Rothe hat aus einem rustikalen Clubraum im 70er-Jahre-Stil im dritten Stock des Gemeindezentrums einen stilvoll-orientalisch wirkenden Partyraum geschaffen. Lilafarbene Wände, rote Vorhänge und Läufer, Wasserpfeife, Kerzen und indirekte Beleuchtung sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. Sofas mit bunten Kissen und niedrige Tische laden zum Verweilen ein. An der Wand steht in hebräischen Buchstaben eine Zeile aus dem israelischen Volkslied Hine ma tov uma naim, auf deutsch: »Siehe, wie schön und angenehm es ist, wenn Brüder beieinandersitzen«.Die Zeile, ausgesucht von Rabbiner Julien-Chaim Soussan, kann man als Motto der Veranstaltung verstehen. Der neue Raum mitsamt Küche und Flur – in warmem Gelb gehalten – soll die Gemeinde besonders für junge Erwachsene attraktiver machen.
Vanessa Rothe, seit knapp einem Jahr bei der Gemeinde als Eventmanagerin angestellt, erfuhr durch diverse Umfragen, die sie bei Veranstaltungen machte, daß sich die 18- bis knapp über 30jährigen eine andere Umgebung wünschten. »Etwas Orientalisches«, hieß es häufig. Ein Trend, den man inzwischen auch bei einigen Lokalen in der nahegelegenen Düsseldorfer Altstadt beobachten kann.
Die 29jährige aus Herford – übrigens Diplom-Designerin – griff die Idee auf, plante, und die Gemeindeleitung stimmte zu. Finanziert wurde das Projekt jeweils zur Hälfte von der jüdischen Gemeinde und von der amerikanischen Hilfsorganisation Joint. Der Ort, ein ehemaliger Clubraum, war schnell ausgeguckt. Innerhalb weniger Monate kam das Projekt in Fahrt und wurde verwirklicht.
Die erste Party bewertet Vanessa Rothe als vollen Erfolg. Bis 2 Uhr morgens saß man bei der Premiere beieinander, unterhielt sich bei Mojitos und Baklava, vergnügte sich bei Gesellschaftsspielen. Gut die Hälfte der Besucher an diesem Abend waren Zuwanderer. Die »Lounge Night« soll jetzt jeden Monat stattfinden, die nächste am 23. November.
Sie ist allerdings nicht der einzige Baustein des Konzepts, vermehrt junge Leute anzusprechen, die dem Jugendzentrums-alter entwachsen sind. Alle zwei Monate veranstaltet die Gemeinde auch ein sogenanntes Jewish Coffeehouse, bei dem jüdische Künstler in einem bekannten Düsseldorfer Café auftreten, auch dies mit meist großem Erfolg. Am 11. November kommt die Jazzsängerin Efrat Alony ins Steinway-Haus. Hinzu kommen noch romantische Diners, Ausflüge wie um den 24. Dezember nach Wien und Partys wie beispielsweise zu Purim.
Mit der Umgestaltung im dritten Stock ist Vanessa Rothe noch nicht ganz fertig. An den 32-Quadratmeter-Raum grenzt ein weiteres ebenso großes Zimmer an, das im selben Stil renoviert werden soll. Die Räume sind natürlich nicht nur für Lounge- Partys reserviert. Sie stehen auch für Lesungen, Diskussionen oder andere Veran- staltungen zur Verfügung, für die der Leo-Baeck-Saal einfach zu groß ist.
Wer sich für Veranstaltungen für junge Juden in Düsseldorf interessiert, kann unter der Mailadresse events@jgdus.de den monatlichen Newsletter abonnieren.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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