Hüttenweg

Neubau am Hüttenweg

Die Mitglieder der liberalen Synagogengemeinde Sukkat Schalom hatten am vergangenen Freitag doppelt Grund zur Freude. Denn zum einen erfuhren die Beter auf ihrer Hauptversammlung, dass die Jüdische Gemeinde zu Berlin ihre Synagoge jetzt fi-
nanziell besser unterstützen will. Und zum anderen hatte die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf (BVV) zwei Tage zuvor den Weg für einen Neubau ei-
nes jüdischen Gotteshauses freigemacht. »Wir sind sehr glücklich über diese Entscheidungen«, meint Vorstandsmitglied Benno Simoni.
In ihrem Beschluss fordert die BVV das Bezirksamt auf, »die Voraussetzungen «für die Errichtung einer Synagoge auf dem Gelände der amerikanischen Kirche im Hüttenweg zu schaffen». Dies geschehe mit der Intention, 70 Jahre nach der Plünderung und Schändung der Wolfenstein-Synagoge an jüdisches religiöses und kulturelles Leben in Steglitz-Zehlendorf an-
zuknüpfen. «Dadurch wird im Geiste des Gedenkens, der Versöhnung und Toleranz der Grundstein für ein jüdisch-christliches Begegnungszentrum gelegt», heißt es im Beschlusstext.
Durch wachsenden Zuspruch hat die Betergemeinschaft seit Längerem damit zu kämpfen, dass der Platz in dem Mehrzweckraum, wo die Gottesdienste derzeit abgehalten werden, immer knapper ge-
worden ist. Das Gebäudeensemble mit Kirche und Kita wurde seit 1957 von der US-Armee genutzt. Als «House of Tolerance» vereinigte das Areal schon immer katholische, protestantische und jüdische Glaubensgemeinschaften. Nach dem Abzug der US-Truppen übernahmen der christliche Verein «Saint David and All Saints» und die Synagogengemeinde Sukkat Schalom gemeinsam diese Einrichtung.
Nach dem BVV-Beschluss geht es nun also nicht mehr nur um eine bereits diskutierte Aufstockung des Chaplain-Centers, sondern um einen ebenerdigen Neubau. Eine Fläche von 250 bis 300 Quadratmeter müsste der «möglichst schlichte und würdige» Neubau schon haben, sagt Simoni.
Die Kosten für den Neubau werden derzeit auf etwa 900.000 Euro geschätzt. Das Gelände ist Eigentum des Bezirks. Allerdings stehe die Finanzierung noch nicht. Der Vorstand will erst einmal die formelle Zusagen des Bezirks abwarten.
Bei den laufenden Kosten hilft die Jüdische Gemeinde jetzt zusätzlich mit 1.000 Euro monatlich. Bisher hatte sie die Miete von 5.000 Euro im Jahr übernommen und die Sicherheit gestellt. Dementsprechend ist Sukkat Schalom jetzt auch institutionell näher an die Gemeinde gerückt, und wird im Herbst – wie in den anderen Gemeindesynagogen – die Gabbaim wählen.
Am Freitag sollte bei der Jahreshauptversammlung erst einmal eine neuer Vereinsvorstand bestimmt werden. Da aber zu wenige Vereinsmitglieder anwesend waren, musste die Wahl verschoben werden. Dan Moses hat bereits angekündigt, dass er nicht mehr kandidieren wird. «Wer sich zur Wahl aufstellen lassen will, muss viel Zeit haben, um sich um den Neubau kümmern zu können», erläutert der bisherige Vorsitzende seinen Schritt. Rabbiner Andreas Nachama rechnet damit, dass man sich in der jetzt beginnenden Planungsphase mindestens einmal die Woche zusammensetzen muss. Er hofft, dass dann in 18 Monaten die neue Synagoge eröffnet werden kann.

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