Jerusalem

Nach Eklat in Jerusalem: Westfälische Präses setzt auf Dialog

Bezieht nach dem in Eklat in Jerusalem Stellung: Adelheid Ruck-Schröder, leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen Foto: picture alliance/dpa

Jerusalem

Nach Eklat in Jerusalem: Westfälische Präses setzt auf Dialog

Projekte, Gedenkorte und viele Gespräche: Die Theologin Ruck-Schröder war mit einer Delegation des NRW-Landtags fünf Tage in Israel und im Westjordanland. Angesichts der Spannungen setzt sie auf dem Weg zur Verständigung auf Begegnungen und Dialog

von Ingo Lehnick  06.11.2025 12:24 Uhr Aktualisiert

Nach einem Eklat um einen Völkermord-Vorwurf an Israel in einem Gottesdienst in Jerusalem ruft die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen, Adelheid Ruck-Schröder, zu einem offenen Dialog auf. In der Region voller Spannungen müsse das Leid auf beiden Seiten des Nahost-Konflikts wahrgenommen und benannt werden, sagte die westfälische Präses.

Das Ansinnen der Christen müsse sein, Brücken der Verständigung und des Friedens zu bauen. Auch wenn die Spuren »nur ganz zart« da seien, hätten Religionen das Potenzial, friedensstiftend zu wirken. Zum Dialog gebe es keine Alternative.

Lesen Sie auch

Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, Sani Ibrahim Azar, hatte am Freitag in seiner Predigt im internationalen Gottesdienst zum Reformationsfest mit Blick auf die Lage in den palästinensischen Gebieten gesagt: »Aber wie sieht Reformation nach zwei Jahren Völkermord aus? Was bedeutet Reformation, wenn wir eine Welt, ein Land betrachten, das so zerbrochen ist?« Den Hamas-Überfall auf Israel vom 7. Oktober 2023 als Auslöser des Gaza-Krieges erwähnte er nicht.

Begriff Völkermord nicht akzeptabel

Daraufhin verließ der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, den Gottesdienst, den er gemeinsam mit einer Delegation des nordrhein-westfälischen Landtags besucht hatte. Die NRW-Delegation um Landtagspräsident André Kuper (CDU), der auch Ruck-Schröder angehörte, äußerte sich »entsetzt« über die Wortwahl des palästinensischen Bischofs. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) distanzierte sich, der Begriff »Völkermord« stehe einer Verständigung und Versöhnung entgegen.

Ruck-Schröder nannte es nach ihrer Rückkehr von der Delegationsreise sehr schmerzlich, dass ausgerechnet ein christlicher Gottesdienst einen Juden veranlasst habe, die Kirche zu verlassen. Für die Verständigung sei das in Deutschland stark mit dem Holocaust verbundene Wort »Völkermord« ein »Skandal« im Sinne eines Stolpersteins - so laute die ursprüngliche Bedeutung des aus dem Griechischen stammenden Wortes »Skandalon«. Aus deutscher und auch aus christlich-jüdischer Sicht sei der Begriff Völkermord oder Genozid »absolut nicht akzeptabel«.

Leid und Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten anerkennen

Es brauche sowohl den christlich-jüdischen Diskurs als auch einen innerkirchlichen Dialog, betonte die westfälische Präses. Sie wolle auch mit Bischof Azar darüber sprechen und ihn zu seiner Verabschiedung im Januar besuchen, kündigte sie an. Es sei wichtig, mit den palästinensischen Christen im Kontakt zu bleiben und ihr Leid und die Menschenrechtsverletzungen wahrzunehmen und anzuerkennen, die sie erleben.

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026