Frankfurt am Main

Mitten im Leben

von Elke Wittich

Zu jung für den Senioren-Treff, zu alt für Jugend-Events. Für Frauen und Männer zwischen 40 und 65 Jahren sind Freizeitangebote dünn gesät. Dabei ist die Wochenendgestaltung gerade für diejenigen, die meist mitten im Berufsleben stehen, oft besonders eintönig. Die Kinder sind meist schon selbständig, häufig fehlt ein Partner, und selbst befreundete Paare tendieren dazu, lieber gemeinsam mit anderen Paaren etwas zu unternehmen als mit befreundeten Singles. Außerdem möchte man mit 50 vielleicht nicht unbedingt Woche für Woche mit den immergleichen Leuten zusammenglucken.
Die Frankfurterin Sofie Lewinson und ihre Freundinnen wurden vor anderthalb Jahren angesichts solcher Probleme selber aktiv. »Schließlich wird es mit zunehmendem Alter schwieriger, neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen«, sagt Lewinson.
Die Freundinnen setzten sich kurzentschlossen zum Brainstorming zusammen und schalteten wenig später sowohl in der Frankfurter Gemeindezeitung als auch in der Jüdischen Allgemeinen kleine Anzeigen. Ihr Hamifgash, hebräisch für Treffpunkt, sollte »das unternehmungslustige und kulturell interessierte jüdische Mittelalter« ansprechen. Das Echo auf die Annoncen war überwältigend. Sofie Lewinson hatte ihre Handynummer angegeben. »Das Telefon stand nicht still, auch Leute von außerhalb meldeten sich.«
Seither treffen sich an jedem ersten Schabbat im Monat »um die 30 Leute in wechselnder Besetzung« in der Lobby des Hilton-Hotels. Einige seien sogar aus Aachen angereist – und das nur wegen Hamifgash, freut sich Lewinson. »Das zeigt: Der Bedarf ist groß.«
Beim gemütlichen Beisammensitzen wollten Lewinson und ihre Mitstreiterinnen es jedoch von Anfang an nicht belassen: Einmal im Monat gibt es die »Highlights«. Dann starten sie zu gemeinsamen Unternehmungen. »Das kann der Besuch einer Theateraufführung sein, ein Kinoabend, eine Stadtführung mit dem Besuch einer historischen Mikwe, aber auch ein Wellnesswochende oder eine Wanderung.«
Dabei setzen die Initiatorinnen von Hamifgash von Anfang an auf die Eigenini-
tiative der Teilnehmer. »Wir wollen nicht diejenigen sein, die immer entscheiden, sondern eben nur den Anstoß geben«, sagt Sofie Lewinson. Man arbeite zwar zum Beispiel auch mit der Jüdischen Volkshochschule in Frankfurt zusammen. Es solle aber jedes Mitglied der Gruppe auch die Möglichkeit haben, seine Ideen einzubringen. Und dann für deren Verwirklichung sorgen. »Dazu gehört zum Beispiel, die komplette Organisation zu übernehmen, vom Erkunden der Öffnungszeiten einer Ausstellung oder eines Museums bis hin zum Beschaffen der Bahntickets.«
»Das klappt gut«, freut sich Lewinson, »und sorgt für ausgesprochene kulturelle Vielfalt.« So besuchte die Gruppe unter anderem das Mathematikmuseum in Gießen. »Natürlich gab es zunächst einige Befürchtungen, dies könne eine furchtbar trockene Angelegenheit werden«, bekennt die gelernte Außenhandelskauffrau, aber wider Erwarten sei dieser Ausflug »richtig spannend gewesen, weil man die mathematischen Gesetze spielerisch nahegebracht bekommt. Den eigenen Horizont zu erweitern und dabei Spaß zu haben, ist schließlich auch eines unserer Ziele.«
Natürlich geht es bei Hamifgash aber auch darum, den Bekanntenkreis zu erweitern – um andere Juden, darauf legt Sofie Lewinson Wert. »Dies soll ein jüdischer Kreis sein, für die wenigen Juden, die wir in diesen Altersgruppen sind.« Als Singleklub für einsame Herzen möchte Lewinson Hamifgash jedoch auf keinen Fall betrachtet wissen. »Es geht uns vor allem darum, hier einen Kreis netter Leute zu haben, mit denen man die Dinge unternehmen kann, die man alleine nicht machen würde.«
Anmelden muß man sich für die Treffen im Hilton nicht. »Da findet man uns schon«, sagt Sofie Lewinson und lacht. Wer gern in der eigenen Gemeinde eine solche Gruppe aufbauen möchte, kann sie anrufen. »Wir helfen gern weiter. Denn diese Eigeninitiative lohnt sich.«

Initiatorin Sofie Lewinson ist telefonisch unter 0171/ 217 88 00 zu erreichen. Ihre Treffpunkt-Kollegin Doris Adler hat die Nummer 0172/ 681 38 66.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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