Lala Süsskind

»Mit Schlagzeilen muss man leben«

Frau Süsskind, die Jüdische Gemeinde hat einen neuen Auftritt im Internet. Ha-
ben Sie ihn schon angeklickt?
Süsskind: Selbstverständlich habe ich mir die Homepage schon angeschaut und ich bin stolz auf das Ergebnis. Bei dieser Gelegenheit möchte ich ausdrücklich betonen, wie dankbar ich meinem Vorstandskollegen Mark Jaffe bin, ohne den das nicht so schnell möglich gewesen wäre, und auch der neuen Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Maya Zehden, die sich hervorragend um die Inhalte gekümmert hat. Die Resonanz auf die Homepage ist gut, es gab bereits Tausende von Zugriffen.

Wie sind die Reaktionen?
Süsskind: Ich habe fast nur positive Äußerungen gehört. Es gibt zwar immer Besserwisser, aber wir freuen uns dennoch über Kritik, wenn sie konstruktiv ist. Einige stören sich daran, dass Texte aus Wikipedia auf der Seite »Judentum« eingestellt sind. Aber ich kann Ihnen versichern: Diese Seite wird weiter gepflegt. Unsere Rabbiner und andere Ex-
perten werden Texte einbringen.

Die Gemeinde stand in der öffentlichen Darstellung bislang nicht immer so gut da. Ist der neue Auftritt auch ein Zeichen einer neuen Öffentlichkeitsarbeit?
Süsskind: Seit seinem Amtsantritt geht dieser Vorstand aktiv mit seinem Tun in der Öf-
fentlichkeit um. Die Webseite ist dabei ein wichtiges Instrument, um noch mehr Mitglieder und Interessierte zu erreichen. Davon un-
abhängig meine ich, dass wir in der Öffentlichkeit gut dastehen. Ganz einfach, weil im Augenblick ein relativ gutes Miteinander in der Gemeinde herrscht. Deshalb ist Ruhe eingekehrt. Und so können wir sehr ausgeglichen agieren und auch gut mit dem Senat zusam-
menarbeiten.

Dennoch gibt es Schlagzeilen über die Fi-
nanzmisere, Zeitungen berichteten über eine drohende Zwangverwaltung. Mit welchen Gedanken lesen Sie so etwas?
Süsskind: Mit Schlagzeilen, auch wenn sie nicht die ganze Wahrheit darstellen, muss man leben. Viele Probleme der Gemeinde existieren schon seit Jahrzehnten. Und wir sind dabei, die Missstände anzugehen.

Aber jetzt wird darüber geschrieben. Fehlte früher die Transparenz?
Süsskind: Heute ist die Transparenz in der Gemeinde kein Schlagwort mehr, sondern Fakt. Wir halten solche Dinge nicht mehr un-
ter dem Teppich. Sie werden aufbereitet und diskutiert. Es gibt konkrete Vorschläge, wo und wie gespart werden sollte. Immer wenn gespart werden muss, sind Einschnitte nötig und das tut den Betroffenen verständlicherweise weh. Aber ich hoffe, wir sind der Vorstand, dem es gelingt, die Probleme so konkret anzugehen wie möglich.

Noch mal zur Öffentlichkeitsarbeit: Die Stimme der Gemeinde und ihrer Vorsitzenden wurden vermisst, als es zum Beispiel um »Pro Reli« ging. Auch bei anderen für Juden in dieser Stadt relevanten Themen kommt wenig – mit Ausnahme des Themas Antisemitismus.
Süsskind: Welche Zeitung lesen Sie eigentlich? Das stimmt doch gar nicht. Wir waren die ersten, die bei »Pro Reli« mit unterzeichnet haben.

Wird es nicht richtig kommuniziert?
Süsskind: Wir haben jetzt mit Frau Zehden eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit. Seit sie im Juni dieses Jahres hier anfing, haben wir bereits zahlreiche Pressemitteilungen verschickt. Und unser Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus reagiert sofort auf Missstände. Wir können den Medien nicht vorschreiben, was sie bringen sollen. Ihr Vorwurf geht bei uns an die falsche Adresse.

Das Gespräch mit der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde führte Christine Schmitt.

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