Mark Aizikovitch

Mit Herz, Gesang und Violine

von Miryam Gümbel

Mit einem Lied über das Fremdsein in der Welt leitete Mark Aizikovitch sein Konzert im Hubert-Burda-Saal des Gemeindezentrums ein. Für Ellen Presser, die Leiterin des Kulturzentrums, das gemeinsam mit der Sozialabteilung zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte, gab dies das Stichwort für ihre Begrüßung. Die jüdische Bevölkerung sei nun nicht mehr fremd, sondern angekommen im Herzen der Stadt München, im Gemeindezentrum am Jakobsplatz.
So richtig zu Hause fühlten sich an diesem Abend alle Anwesenden, getragen von den Melodien von Aizikovitch und seiner Band. Das neue Programm des Sängers und Kabarettisten Mark Aizikovitch »Ahasver« vereint traditionelle jüdische Volksweisen aus dem Mittelalter, aus dem aufgeklärten Mitteleuropa, dem ostjüdischen Schtetl und Lieder jüdischer Partisanen, die alle eine gemeinsame Botschaft haben: Sie vermitteln ein intensives Gefühl für Jüdischkeit und die Erinnerung an Vertreibung in Vergangenheit und Gegenwart. Mit jiddischen Liedern setzte Aizikovitch nach der Einführung das Programm fort. Das Lied »Libenke« (Liebste) nach einem Text von Moische Kubiak (1896-1940) begeisterte die Anwesenden ebenso wie »Janeks Chassene« (Janeks Hochzeit). Mit rein instrumentalen Vorträgen seiner Band wurde zwischendurch immer wieder der Ausgleich in dem hochemotionalen Spannungsbogen geschaffen. Der Sänger stellte seien Musiker dem Publikum mit kurzen Worten vor: Konstantin Nazarov am Klavier, aber auch zuständig für Harmonika und Gesang; Mikola Yavier mit Gitarre, Bajan, Gesang und Alex Babenko mit Geige, Gesang.
Das Publikum klatschte die Rhythmen zum Teil begeistert mit, nur zum Singen ließ es sich nicht so recht animieren – nicht einmal bei dem aus dem Morgengebet vertrauten Adon Olam. Im Grunde war das wohl ein Kompliment an den Sänger, dessen Vortragsweise alle überzeugte und mitriss. In der Pause wurden dann immer wieder Stimmen laut, die voller Begeisterung für Aizikovitch waren. »Da merkt man so richtig, wie sehr er auch hinter den Texten steht. Es gibt gute Stimmen, die einfach ihre Lieder vortragen, aber bei ihm kommt es aus vollem Herzen.« Das war nur einer von zahlreichen positiven Kommentaren. »Etwas für das Herz und für die Seele« – mit diesem Worten fasste auch Charlotte Knobloch ihre Eindrücke über das bis zur Pause Gehörte zusammen. Zu Beginn des zweiten Teils hieß auch sie als Präsidentin des Zentralrates, der den Abend unterstützt hatte, Aizikovitch willkommen. Zugleich erinnerte sie an dessen Zeit im Zentralrat, während der er auf der politischen Bühne ebenfalls sehr positiv gewirkt habe. Sie gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass er irgendwann auch dort wieder aktiv mitarbeiten werde. Und sie wünschte sich noch eines: dass er als Sänger und Musiker bald wieder nach München kommt. Spontaner Applaus aus dem Publikum unterstrich, dass die Anwesenden voll hinter dieser Bitte standen.
Mark Aizikovitch stammt aus der Ukraine. Er studierte an der Hochschule in Charkow Gesang und Schauspiel. Seit 1990 lebt der in der Ukraine bekannte Filmschauspieler, Sänger und Moderator in Deutschland. Mit seinen hervorragenden Musikern hat sich Mark Aizikovitch inzwischen weit über die Grenzen der Berliner Jüdischen Gemeinde hinaus einen Namen gemacht.
Im zweiten Teil seines Konzerts war dann die Legende von Ahasver das Thema. Im ihm spiegelt sich das jahrhundertelange Schicksal des jüdischen Volkes, das heimatlos durch die Welt ziehen musste und den Antijudaismus immer wieder deutlich zu spüren bekam. Die Kunst des Vortrags lag dabei im ausgewogenen Verhältnis zwischen höchster Spannung, Trauer und Verzweiflung und auf der anderen Seite einer immer wieder auftauchenden positiven Stimmung mit humorvollen Zwischentönen. Wehmütige Melodien und Lieder über Wehrhaftigkeit und Kampfeswillen herrschten im zweiten Teil vor, der sich an, wie Aizikovitch sagte, sprachlich an seine Landsleute wandte. Hier widersprach ihm zum Schluss Charlotte Knobloch, meinte, dass diese inzwischen hier in München ihre neue Heimat gefunden haben. Damit auch der Sänger selbst eine Erinnerung an diesen Abend im Hubert-Burda-Saal mit nach Hause nehmen konnte, überreichte ihm Olga Albrandt zum Abschluss ein kleines Geschenk, Gläser und Krüge mit Münchner Motiven, im Namen der IKG.

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026