Zuwanderer

Mit Anspruch

Olga Dodina ist Kosmetikerin in Düsseldorf. Sie liebt ihren Beruf. Er ist abwechslungsreich und hat mit Menschen zu tun. Dass sie erst seit wenigen Jahren Gesichtsmasken aufträgt und Augenbrauen zupft, das merken Dodinas Kunden nicht. Denn die 45-Jährige ist eigentlich Kinderärztin. Sie hat in Moskau studiert und wollte, als sie 2000 nach Deutschland kam, in ihrem Beruf weiter arbeiten. Eigentlich. »Das gestaltete sich nicht so einfach, denn mein Abschluss von der Universität wurde hier nicht anerkannt«, sagt Dodina.

dschungel Dass Ärzte, Ingenieure oder Lehrer, die ihren Hochschulabschluss in der damaligen Sowjetunion gemacht haben, heute als Altenpfleger, Köche oder Krankenschwestern arbeiten, ist keine Seltenheit. Denn die sogenannten Kontingentflüchtlinge haben keinen Rechtsanspruch auf Bestätigung ihrer Qualifikation. Das soll in der nächsten Legislaturperiode anders werden. Maria Böhmer (CDU), Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, und das Wirtschafts-, hat gemeinsam mit dem Bildungs- und dem Innenministerium einen Entwurf mit Eckpunkten veröffentlicht, der den »Anerkennungs-Dschungel«, wie Maria Böhmer die momentane Situation bezeichnet, lichten soll. Ziel der Eckpunkte ist es, »für alle Berufs- und Zuwanderergruppen ein Recht auf ein Aner- kennungsverfahren gesetzlich festzuhalten«, sagt ein Sprecher von Böhmer. Bislang unterscheidet man nämlich zwischen Spätaussiedlern, die ein Anerkennungsrecht auf alle Berufe haben, EU-Bürgern, die hier bestimmte Professionen weiter ausüben können und Bürgern aus Unterzeichnerstaaten der Lissabon-Konvention, deren Hochschulabschlüsse auch hier gültig sind. Bei Kontingentflüchtlingen muss der Arbeitgeber im Einzelfall entscheiden. Die seien damit oft überfordert, betont ein Sprecher des Bildungministeriums.

umschulung Paulette Weber, Leiterin des Sozialreferats der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), sagt: »Die Erfahrung zeigt, dass technische Berufe in der Vergangenheit bevorzugt anerkannt wurden.« Dies gelte in der Regel aber nicht für medizinische, pädagogische, wirtschaftswissenschaftliche und geistes- wissenschaftliche Berufsabschlüsse. Wie im Fall von Olga Dodina. »Ich hatte mich für verschiedene Kurse beworben, an deren Ende ich dann eine Prüfung hätte machen müssen. Aber ich wurde ohne Erklärung abgelehnt«, sagt die Kinderärztin. Das Bildungsministerium beschreibt diese sogenannten Externenprüfungen als einen Weg für Kontingentflüchtlinge, ihren Beruf weiter ausüben zu können. Eine andere Möglichkeit ist der erneute Abschluss an einer deutschen Universität. Das wollte Olga Dodina aber nicht, denn sie hatte schon ein Medizinstudium hinter sich und praktische Erfahrung als Kinderärztin. »Was sollte ich also machen? Zu Hause herumsitzen und auf Kosten des Arbeitsamtes leben – das ist nicht meine Art.« So schulte sie zur Kosmetikerin um.

akademiker Paulette Weber von der ZWST sieht in dem Vorhaben, im Ausland erworbene Abschlüsse hierzulande anzuerkennen, ein Problem für die seit Längerem in Deutschland lebenden Zuwanderer: »Wenn die Zahlen stimmen, haben ungefähr 70 Prozent der zugewanderten ›Kontingentflüchtlinge‹ im berufsfähigen Alter eine akademische Ausbildung. Für die meisten der Betroffenen kommt deshalb die Überlegung zu spät, da sie bereits umgeschult sind oder unqualifizierte Arbeitsplätze einnehmen.« Für künftige Zuwanderer wäre die Situation ganz anders, soll- ten die Anerkennungsbedingungen geändert werden. Daher betont die Migrationsbeauftragte Böhmer: »Für alle Berufs- und Zuwanderergruppen soll es einen Anspruch auf ein entsprechendes Verfahren geben.« Wichtig sei zudem das Recht auf eine formale Teilanerkennung oder eine Potenzialanalyse. Man hätte schon viel früher vorhandene Ressourcen nutzen können, sagt Weber, die auch zu bedenken gibt, dass der Berufswechsel oft zu einem Statusverlust geführt habe.
Menschen vom Fach sind also gefragt. Maria Böhmer beschreibt den Entwurf mit den Eckpunkten so: »Wir strecken die Hand aus.« Alle Zuwanderer, die sich mit Fähigkeiten und Qualifikationen einbringen wollten, seien eine Bereicherung für das Land. »Heute hat der Endspurt begonnen. Jetzt müssen wir Tempo machen.«

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026

Nahost

Iran greift erstmals europäisches Ziel an: Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern

Nach Ausrufung einer Sicherheitswarnung erschütterten Explosionen die Basis. Kampfjets der Royal Air Force hoben nach Angaben von Flugbeobachtern ab, um den Luftraum zu sichern

 02.03.2026