Gilad Schalit

Menschenhandel

von Wladimir Struminski

Kurz nach Pessach schien die Freilassung des vor zehn Monaten entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit in greifbare Nähe gerückt. Nach langen Verzögerungen stellte die Hamas-Führung Israel das Namensverzeichnis palästinensischer Sicherheitshäftlinge zu, deren Freilassung sie im Austausch mit Schalit verlangt. Nach genauerer Prüfung der Liste aber verflüchtigte sich die Euphorie. Angesichts der maßlosen Forderungen der Entführer vermochte das Jerusalemer Ministerpräsidentenamt in der vergangenen Woche nur »Enttäuschung und Bedenken« zu bekunden.
Die Hamas fordert die Freilassung von mehreren hundert Häftlingen. Ein hoher Preis, aber nicht präzedenzlos. Vor drei Jahren ließ Israel 435 Häftlinge für die Freilassung des Reserveobersts Elchanan Tennenbaum gehen. Doch die jetzige Liste hat es in sich. Unter den Terroristen, deren Entlassung die Hamas verlangt, befinden sich nicht nur prominente Hamas-Aktivisten wie der für zahlreiche Selbstmordanschläge verantwortliche Abdallah Barguti. Außerdem sollen der wegen fünffachen Mordes verurteilte Fatah-Anführer Marwan Barghuti sowie Achmad Saadat von der »Volksfront für die Befreiung Palästinas« freikommen. Saadat ist der mutmaßliche Drahtzieher des Mordanschlags auf Israels Tourismusministers Rechawam Seewi im Jahre 2001.
»Israels Schwäche schafft eine Situation, in der jedes Entführungsopfer zu einem strategischen Vermögenswert des Gegners wird«, warnte der Publizist Israel Harel. Bei allem Verständnis für das Leid von Schalit und seiner Familie, so Harel, dürfe Israel auf den Deal nicht eingehen. Durch übertriebene Nachgiebigkeit, glauben auch andere Kritiker, ermutige Israel Terrororganisationen zu weiteren Entführungen. »Es liegt in Israels oberstem Interesse, dass Mörder nicht freikommen«, sagt Tzachi Hanegbi, Vorsitzender des außen- und verteidigungspolitischen Ausschusses der Knesset und führendes Mitglied von Olmerts Kadima-Partei. Nach Hanegbis Berechnungen haben Terroristen, die Israel im Gegenzug für Tennenbaum freiließ, seitdem 35 weitere Israelis ermordet.
Zudem würde eine von der Hamas erzwungene Massenentlassung die radikale Organisation stärken und den von Israel noch immer als Friedenspartner anerkannten Palästinenserpräsidenten Machmud Abbas entsprechend schwächen. Schließlich muss die Regierung auch noch die beiden 2006 von der libanesischen Hisbollah entführten Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regew freikaufen und will den Preis nicht zu hoch ansetzen. Doch gibt es in Israel auch Stimmen, die Nachgiebigkeit fordern, so etwa Sozialminister Isaac Herzog (Arbeitspartei). Die Öffentlichkeit ist geteilt. Einer Umfrage zufolge befürworten 39 Prozent der Israelis die Freilassung von Tätern, die in Mordanschläge verwickelt waren. Ministerpräsident Ehud Olmert hält sich alle Optionen offen. Die Hamas-Liste wies er zwar in ihrer gegenwärtigen Form zurück, erklärte sich aber zu einem »vernünftigen« Gefangenenaustausch bereit.

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Westjordanland

Auslandspresseverband in Israel fordert Schutz für Journalisten

Gewalttätige Siedler attackieren US-Journalisten im Westjordanland – der Auslandspresseverband warnt vor einem gefährlichen Trend

 30.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Desinformation

Was steckt hinter dem International Burke Institute?

Die KI-Firma OpenAI hat nach eigenen Angaben eine verdeckte russische Beeinflussungskampagne aufgedeckt, die sich als israelisch inszeniert haben soll

 26.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Gericht: AfD-Mitgliedern kann Waffenbesitzkarte entzogen werden

Mitglieder und Unterstützer der AfD in Sachsen-Anhalt haben gegen den Entzug ihrer Waffenbesitzkarte geklagt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg wies die Klage ab. Nun entschied das Oberverwaltungsgericht.

 10.08.2026