Gabriel Goldberg

Menschen statt Moleküle

von Sarah Dickmann

Ein normaler Bürojob, das wäre nichts für ihn. Gabriel Goldberg ist einer, der etwas bewegen will, und der es mag, wenn jeder Tag anders abläuft. »Gewöhnlich ist langweilig«, findet der 30-Jährige. Seit Anfang November arbeitet der junge Mann als Jugendreferent des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein. Er hat sich bereits wunderbar eingefunden, sagt er, und fühlt sich wohl in Düsseldorf, wo der Landesverband seinen Sitz hat.
Am meisten gefällt ihm jedoch der andere Teil seines Jobs: die Arbeit vor Ort. Goldberg fährt durch die acht jüdischen Gemeinden Düsseldorf, Aachen, Bonn, Krefeld, Essen, Mönchengladbach, Wuppertal und Duisburg/Mülheim/Oberhausen und kümmert sich dort um die Jugendzentren, ihr Angebot und ihre Betreuer. »Ich möchte dabei helfen, das jüdische Leben dort wiederzubeleben und auszuweiten.«
Eigentlich wollte Gabriel Goldberg Biologe werden. Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Wuppertal nahm er das Studium in Aachen auf und arbeitete eine Zeit lang in einem Labor. »Aber ich habe festgestellt, dass ich Menschen lieber mag als Moleküle.« Da sei der neue Beruf genau richtig: »Es ist ein hochinteressanter und vielschichtiger Job. Ich komme viel mit Leuten zusammen, kann aber auch meine anderen Fähigkeiten nutzen.«
So war Goldberg nach seinem Wechsel auf die Studienfächer Soziologie und Politologie nebenbei als Kommunikationsberater und Journalist tätig. Obwohl er sein Studium erst Ende 2009 beenden wird, hat ihn der Landesverband ohne Zögern schon jetzt fest eingestellt. »Herr Goldberg passt wunderbar zu uns«, sagt Geschäftsführer Wilfried Johnen. »Er ist kommunikativ, zugänglich und intelligent. Seine Arbeit für die Jüdische Gemeinde Düsseldorf und die ZWST haben uns zusätzlich überzeugt.«
Früher war Gabriel Goldberg Betreuer in einem Jugendzentrum, engagierte sich später für das »Brückenschlag«-Projekt der ZWST. Dabei wuchs sein Wunsch, sich noch stärker für jüdisches Leben einzusetzen. »Davor hatte ich eine Zeit lang nicht so viel mit der jüdischen Gemeinschaft zu tun. Aber durch das Projekt habe ich gemerkt, wie sehr mir etwa gefehlt hat, dass mein Umfeld es nicht seltsam findet, dass ich kein Schweinefleisch esse. Oder dass die Sicht auf Israel nicht akademisch-distanziert sein muss, sondern sehr emotional sein kann.«
Ein großes Ziel des neuen Jugendreferenten ist es, dass Alteingesessene und Zugewanderte eine Einheit bilden. Dass die Jugendlichen in die Zentren kommen und sich geborgen fühlen. »Das ist heute viel schwerer als früher«, sagt Wilfried Johnen. »Vor der Zuwanderungswelle waren die Gemeinden kleiner, die Bindung enger. Heute müssen wir neue Wege gehen, um die Mädchen und Jungen zu binden – etwa durch Herrn Goldberg.«
Einen Satz hat Goldberg immer im Ohr. Er stammt von seinem Religionslehrer: »Sei a stolzer Jid.« Seine Identität verteidigen, das ist etwas, das er auch den Jugendlichen auf ihrem Weg mitgeben möchte. »Ich musste mir mein ganzes Leben lang Sätze anhören wie ‚Was bist du eigentlich? Russe, Deutscher oder Jude?’ Dabei bin ich doch alles zusammen.« Goldbergs Eltern stammen aus der Sowjetunion, leben aber seit vielen Jahren in Wuppertal. »Ich habe eine russische Erziehung genossen, habe deutsche Freunde und feiere Chanukka. Alles bin ich nicht zu 33,3 Prozent, sondern zu mindestens 100 Prozent. Und genauso viel werde ich auch in meinem Job geben.«

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert