EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 47 Sitze

Leonid Chizhik

»Mein Spiel braucht Interaktion«

von Ellen Presser

Herbie Hancock, Keith Jarrett, Chick Corea – wer etwas von Jazz versteht, kennt diese Namen. Diese berühmten Musiker wiederum kennen Leonid Chizhik, denn auch er zählt zur Jazz-Weltelite. Sein Instrument ist das Klavier. Aber er ist »kein reproduzierender Künstler, kein Interpret«. Besucht man Leonid Chizhik in seinem gemütlichen, gutbürgerlichen Zuhause in Neubiberg bei München, fällt der alles beherrschende Flügel ins Auge. Chizhik wirkt energiegeladen. Seine Improvisationskunst ist legendär. »Mein Spiel«, erklärt er, »braucht Interaktion. In meinen besten Konzerten spiele nicht ich – ich bin eine Mittlerperson zwischen dem Publikum und der Inspiration.«
1991 kam Chizhik für einen auf vier Jahre befristeten Aufenthalt nach Deutschland. Damals war er ein Superstar aus Moskau mit Auftritten in der ganzen Welt. Als er sich entschied, hier zu bleiben, veränderte sich alles. Er verlor den Sonderstatus des gefeierten Gaststars, wurde ein Konkurrent für die einheimische Musikszene, bekam mit seiner Familie den neuen Status jüdischer Flüchtlinge aus Osteuropa.
Nun hatte er die Erfahrungen aus einem Alltag in einem Land »voll von offenem Antisemitismus« zwar hinter sich gelassen. Doch der Preis, seine Frau Malvina und die Kinder in die Freiheit gebracht zu haben, war hoch. Leonid Chizhik hätte wieder in die Clubszene einsteigen müssen, doch das wollte er nicht.
Als »Svjatoslav Richter des Jazz« apostrophiert, hatte dank Musikern wie ihm die Jazz-Musik längst die großen Konzertsäle erobert. Selbst klassische Komponisten wie Sergei Rachmaninow, Igor Strawinsky und Alexander Skrjabin hätten Jazzmusik von ihren Anfängen an akzeptiert und als eine transnationale Sprache begriffen.
Chizhiks eigener musikalischer Weg war zunächst ein ganz klassischer. 1947 im moldawischen Kischinew geboren, bekam er als erstes Instrument eine Geige. Die Fidel ist nicht das richtige für ihn. »Ich kann geben«, lacht Leonid Chizhik und spreizt die Finger, »aber nicht nehmen« und zeigt, wie wenig ihm die Grundposition der linken Hand liegt. Statt dessen begann er mit fünf Jahren Klavier zu spielen. Weil er ein absolutes Gehör besitzt, begann er sehr früh, Gehörtes zu modifizieren. Mit elf Jahren hörte er Jazz im Radio. »Intuitiv wußte ich, das ist meine Musik, in diesem Swing spürte ich Freiheit.«
Jüdisch zu sein, bedeutete in Leonid Chizhiks Familie nicht, in die Synagoge zu gehen. Das war in Charkow, wo er eine Schule für musisch Begabte besuchte und dort auch seine spätere Frau kennenlernte, gar nicht möglich. Die Eltern waren überzeugte Kommunisten, der Vater hatte in der Roten Armee gekämpft. Doch auch ohne religiöse Praxis war ihm das Jüdischsein bewußt. Die Freunde waren jüdisch, kam man zusammen, sang man jüdische Lieder, und manche der Erwachsenen sprachen untereinander Jiddisch. Selbst im Namen klingt es an. »Chizhik«, auch Tchijik geschrieben, bedeutet bei aschkenasischen Juden »Zeisig«, lautmalerisch abgeleitet vom ursprünglichen Begriff »Zaddik«. Die Mutter bedeutete dem jungen Leonid, daß Jüdischsein ei- nen besonderen Auftrag beinhalte: besser sein zu müssen in allem, was man tue. Er wurde einer der Besten und 1965 zum Studium am Gnessin-Institut in Moskau zugelassen.
So schwer der Neuanfang von München aus war, der in Rußland hochgeschätzte Musikpädagoge schaffte es, innerhalb eines Jahres Dozent für Jazzklavier am Richard-Strauß-Konservatorium zu werden. Zwei Jahre später war er Professor für Jazzklavier an der Hochschule für Musik in Weimar. Nun pendelt er jede Woche. Jazz-Standards kommen für Leonid Chizhik aus der jüdischen Musik. Mit Improvisationen zu Evergreens von George Gershwin, Irving Berlin und Benny Goodman brachte er das in München schon auf die Bühne. Doch er scheut sich auch nicht, »Haendel meets Jazz« und »Mozart und Jazz« anzupacken. »Ich weiß vor dem Konzert nicht, was passiert. Ich formuliere meine Energie aus allen Quellen: meinem Körper, meinen musikalischen Erfahrungen, der Technik.«

Beim Münchner Klaviersommer spielt Leonid Chizhik am 15. Juli, 20 Uhr in der Residenz, Allerheiligen-Hofkirche.
www.muenchenticket.de

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026