Robert Gould

»Masel tow, Robbie!«

von Tobias Kaufmann

Die »Washington Jewish Week« brachte das Rätselraten kürzlich auf den Punkt: »Ist Robbie Gould, der Kicker der Chicago Bears, jüdisch?« Eine Recherche im Internet – das bekanntlich nie irrt – habe ergeben, dass die meisten Quellen den Sportler als Juden ausweisen. »Schön wäre allerdings, wenn der Mann selbst sich dazu äußern würde, vor allem jetzt, da er ein großer Star wird.«
Robert Paul Gould, 24, hat zu der Frage jedoch bisher geschwiegen. Also geht das Rätseln unter den jüdischen Footballfans in den USA weiter, ob sie beim Finale um den Superbowl den Chicago Bears gegen die Indianapolis Colts die Daumen drücken sollen. Traditionell am ersten Sonntag im Februar verfolgen bis zu 140 Millionen Amerikaner im Fernsehen eines der gigantischsten Sportereignisse der Welt. Das Rahmenprogramm mit Auftritten zahlreicher Stars beginnt bereits Stunden vor dem Anpfiff.
Anders als im europäischen Fußball, wo sich die nationalen Meister in den Topligen beinahe ausschließlich aus einer Handvoll großer Clubs rekrutieren, ist das Rennen um den Titel der National Football League (NFL) in jeder Saison offen. Dafür sorgt unter anderem ein System, das es den schlechtesten Teams des Vorjahres erlaubt, als erste auf die besten Talente auf dem Transfermarkt zuzugreifen. Zudem dürfen sich alle Clubs bei ihrer Gehaltssumme für das Team nur innerhalb einer festgelegten Grenze bewegen. Erbhöfe reicher Vereine sind dadurch fast unmöglich.
Die Colts holten zuletzt 1971 den Superbowl, die Bears gewannen ihn zuletzt 1986. Indianapolis gilt als leicht favorisiert, offenbarte jüngst aber Schwächen in der Defensive.
Die jüdischen Fans dieser amerikanischsten aller Sportarten sind seit jeher stolz auf jeden Profi, der einer der ihren ist. Dass jene, denen ein jüdischer Aspekt auf dem Feld wichtig ist, sich in diesem Jahr eher für die Bears erwärmen könnten, liegt vor allem an Sidney Luckman. Der einstige Quarterback (der Spielmacher und Passgeber eines Teams) der Chicago Bears ist eine amerikanisch-jüdische Sportlerlegende. 1916 in Brooklyn geboren, führte »Sid« Luckman die Bears 1940 mit einem historischen 73:0 gegen die Washington Redskins zur Meisterschaft. Er beherrschte danach mit seinem Team über Jahre die Liga. Luckmann starb 1998.
Und dann wäre da noch Robbie Gould. In seiner erst zweiten NFL-Saison traf der Kicker »zuverlässig wie ein Uhrwerk«, wie die Sportpresse anerkennend vermerkt. Auch im Halbfinale gegen New Orleans steuerte Gould wichtige Treffer bei. Seinen Platz im Kader musste er sich zu Saisonbeginn hart erkämpfen, aber nun ist aus dem »Rookie« (Neuling) ein Star geworden. Für den Kicker, dessen Vater Robert in den achtziger Jahren Fußballprofi war, geht mit dem Erreichen des Superbowl ein Traum in Erfüllung, der längst

erledigt schien: Vor zwei Jahren arbeitete Gould noch auf dem Bau. Diese amerikanische Aufsteigergeschichte findet die Washington Jewish Week so herzerwärmend, dass sie Gould für das Saisonfinale ein »Masel tow, Robbie!« mit auf den Weg gab. Über den Hinweis in einem Online-Forum, die neue jüdische Sporthoffnung sei wohl doch römisch-katholisch, sah der Autor dabei gnädig hinweg.

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