kiddusch

Liebe in Apricot

Was hat sie nicht schon alles angestellt, um unter die Haube zu kommen. Sie hat als Kassierfräulein im Kosher-King-Supermarkt mit den Singles geflirtet, die dort ihre traurigen Tütensuppenmahlzeiten einkaufen, sie war ständiger Gast in Rabbi P.s samstäglichem Schachkurs und sie hat als schlecht bezahlte Hilfskraft im jüdischen Altersheim »Abendrot« auf schnuckelige Söhne und Enkel gewartet – alles in der Hoffnung, dass mal jemand unter 50 auftaucht!
Meine beste Freundin Magali wird langsam desperat. Aber zum Glück hat sie ja mich, und zum Glück habe ich High-Speed-Internet und Zugang zu der exklusiven Dating-Site www.beshert.com , wo ich drei unwiderstehliche Singles für sie ausgespäht habe. Kandidat eins (gut aussehend), Kandidat zwei (begütert mit Hochschulabschluss) und Kandidat drei (sehr kinderlieb) werden umgehend zum Kiddusch in die Ma’aleh-Synagoge eingeladen, damit man sich ganz zwanglos – sozusagen in freier Wildbahn – kennenlernen kann.
An besagtem Schabbat bin ich allein, mein Göttergatte verbringt das Wochenende auf einem Jagdschlösschen außerhalb der Stadt bei einer hochkarätigen Batmizwa. Die zwölfjährige Hepsibah wird in einem selbst gebatikten Tallit auftreten und die Parascha vortragen, mein Mann als ihr Coach muss ihr da natürlich beistehen, und ich habe die drei Kinder allein am Hals. Macht aber nichts, denn zum Glück habe ich ja Avrumi, seines Zeichens Jeschiwa-Bocher in Rabbi P.s Lehranstalt und heiß begehrter Babysitter. Er ist sanft wie ein Lamm und hat mit seinen Korkenzieher-Schläfenlocken auch schon für Babys einen hohen Unterhaltungswert.
Kaum sind Avrumi, meine Tochter Emma, der Zwillingskinderwagen und ich am Schabbat in der Schul eingetroffen (Mussaf ist in vollem Gange), erspähe ich auch schon Kandidat eins, der ganz alleine am Kidduschtisch sitzt und mir mit einem Slibowitzglas zuprostet. Kandidat eins hat, wie sich herausstellt, nicht nur einen Hochschulabschluss und massenweise Kohle, sondern auch eine derartige Alkoholfahne, dass ich ihn als Heiratskandidaten sofort abschreibe und mich still in die Damensynagoge verdrücke. Magali klebt bereits an der spitzenbesetzten Mechitza und versucht, ihre drei Bascherts zu sichten. Nachdem Mussaf endlich überstanden ist, und alle ihre Plätze am Kidduschbuffet eingenomm en haben, winke ich Magali dezent in Richtung von Kandidat zwei. Der sieht wirklich schnuckelig aus! Es erhebt sich grüßend – und reicht Magali leider nur bis zum Kinn. Beim Lächeln entblößt er bröckelnde lückenhafte Zähne, die irgendwie moosbewachsen aussehen. Magali stößt mir ihre spitzen Finger in die Rippen – ein Säbelzahntiger könnte nicht unfreundlicher dreinschauen. Wir wimmeln die Zahnruine kurzerhand ab und ziehen weiter zu Kandidat drei, der wirklich extrem kinderlieb wirkt. Auf seinem Schoß ein Baby, das versucht, sich an seiner Krawatte hochzuhangeln, an seinem Hosenbein ein blondgelocktes Kleinkind und auf dem Stuhl neben ihm ein kleiner Junge im Nadelstreifenanzug. Kandidat drei lässt uns wissen, dass seine Ex ihm die Kinder für einige Wochen dagelassen hat, denn sie ist momentan mit ihrem Neuen auf Teneriffa.
Magali zischt mir ein paar saftige marokkanische Flüche ins Ohr, lässt mich einfach stehen und verschwindet in Richtung Damentoilette.
Seufzend mache ich mich daran, mir aus den Resten des Kidduschbuffets ein Mittagessen zusammenzustellen, außerdem müssen die Zwillinge gewickelt und gefüttert werden.
Als kurze Zeit später meine dreijährige Tochter schokoladenverschmiert und mit Puffreis beklebt neben mir auftaucht, bemerke ich, dass mein Babysitter sich abgesetzt hat. Wo steckt der Kerl? Ich suche die ganze Schul ab und finde ihn schließlich in der hintersten Ecke der abgedunkelten Damensynagoge. Von da dringt leises Flüstern, oder sollte ich lieber sagen, leises Gurren, denn Avrumi und Magali scheinen in einen intensiven Gedankenaustausch vertieft zu sein. Wir wollen nicht weiter stören, ich zerre Emma aus dem Raum und wir machen uns allein auf den Weg nach Hause.
Es kommt, wie es kommen muss. Einige Monate später erreicht mich eine apricotfarbene Hochzeitseinladung, dezent mit Glitter bedeckt. Apricotfarben ist dann auch das Brautbouquet, apricotfarben glitzert die Chuppa, im selben Farbton glitzern die Blumendeko und das Cocktailkleid der Schwiegermutter. Und wenn man Magali und Avrumi fragt, wie sie sich kennengelernt haben, erklären sie einfach: Es war beschert. Margalit Berger

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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