Ukraine

Liebe auf Klick

von Yulianna Vilkos

Noch vor einigen Monaten hielt Natalia Loschakowa nichts von Online-Dating. Schließlich hat die Jüdin aus Dnepropetrowsk viele Freunde. Es sei immer noch ein komisches Gefühl, sagt die 22jährige, morgens als erstes in ihre E-Mails zu gucken und sich auf die Telefonanrufe eines Mannes zu freuen, den sie auf www.mazeltov.org.ua, der neuen Website für jüdische Singles aus Dnepropetrowsk, kennengelernt hat.
»Ich kann es kaum glauben, wir sind uns noch nicht begegnet, aber ich mag ihn bereits sehr«, gesteht Natalia. Etwa einen Monat lang kommunizierten die beiden online, dann wechselten sie zum Telefon. Jetzt wollen sie sich treffen.
Die Website gibt es erst seit zwei Monaten und ist für jüdische Singles in der Ukraine gedacht. Sie wurde eingerichtet, um ein Problem zu lösen: In einem Land, wo die jüdische Gemeinde klein ist, mit einem großem Zentrum in Kiew und weit verstreuten Gemeinden anderswo, ist es schwierig, jüdische Partner zu finden.
Die Webseite hat ein klares Ziel: Ehe und jüdische Kinder. Und: Nur halachische Juden werden akzeptiert. Es waren Udi Ben-Ami, israelischer Generalkonsul in Dnepropetrowsk, und der Chabad-Rabbiner am Ort, Shmuel Kaminetski, die im vergangenen Winter zusammen die Idee entwickelten. »Es hat mich immer bedrückt, daß viele Juden in der Ukraine niemanden finden«, sagt Ben-Ami und fügt hinzu, daß er viele ukrainische Juden in den Dreißigern kenne, »die nie geheiratet haben, weil sie keinen jüdischen Partner finden konnten«.
Von potentiellen Klienten wird verlangt, daß sie sich mit einem Rabbiner treffen und ihr Jüdischsein belegen. »Wir machen uns Sorgen, daß wir dabei sind, unser Volk zu verlieren, deshalb versuchen wir, den Leuten zu helfen, jüdische Familien aufzubauen«, sagt Kaminetski.
Ein weiteres Ziel der Website besteht darin, junge Menschen mit nichtjüdischen Müttern zum Judentum zurückzubringen. Kaminetski sagt, er werde keinen Bewerber ablehnen, der den »ehrlichen Willen erkennen läßt, einen jüdischen Partner zu finden und zu konvertieren. Wir ermutigen alle, die jüdische Wurzeln haben, mit dem Konvertierungsprozeß zu beginnen, und wir möchten, daß Halbjuden zum Glauben zurückkehren.«
Zurzeit sind Kurzbiografien von etwa 100 Benutzern gespeichert. Etwa 1000 weitere Bewerber stehen auf der Warteliste. Die meisten seien zwischen 20 und 40 Jahre alt, wobei die Männer leicht überwiegen. Es gibt Nutzer aus Rußland, Israel und Deutschland, die jüdische Partner aus der Ukraine suchen. Die Verwaltung des Online-Dienstes aber hofft, bald mehr ausländische Juden registrieren zu können. Bislang erscheint die Website nur auf Russisch.
Zensur gibt es jedoch auch. »Wir stellen keine Bilder rein, die zu freizügig sind, etwa Fotos von Leuten im Badeanzug«, sagt Lisa Goldenberg, die Verwalterin der Website. Während des Schabbats und an jüdischen Feiertagen ist die Website nicht zugänglich.
Aber nicht alle sind vom orthodoxen Web-Dating begeistert. Alexandra Oleynikova, 19jährige Jüdin aus Kiew, zweifelt am Erfolg des Projekts. Die Tatsache, glaubt sie, daß man die Existenz einer jüdischen Mutter nachweisen müsse, würde viele Benutzer abschrecken. »Ich möchte jemanden kennenlernen, und die wollen daß ich zuerst meine Dokumente zeige?«, sagt sie. »Das ist doch bizarr.«

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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