MÜNZENBERG

Lieb und teuer

Fast sieht das Kulturhaus in Münzenberg so aus wie die Alte Synagoge vor 71 Jahren. Bis zum Jahre 1938 hatte das Gebäude das Bild des Ortes mit geprägt. Am 29. Mai wurde es wieder eingeweiht. Die Restaurierung war nicht unumstritten. Die Kosten belaufen sich auf 475.000 Euro – ein nicht unerheblicher Betrag für ein Städtchen mit knapp 5.800 Einwohnern, selbst wenn ein Großteil dieser Summe durch Zuschüsse und Spenden finanziert werden konnte.
In den 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die neu erbaute Synagoge im Zentrum des Städtchens Münzenberg ihrer Bestimmung übergeben, bis 1938 diente sie den Juden als Gotteshaus, schildert Uwe Müller, erster Vorsitzender des Freundeskreises Burg und Stadt Münzenberg, die Geschichte des Gebäudes. Am 10. November 1938 wurde das Innere der Synagoge zerstört, die Türfüllung eingeschlagen, Bänke durch die Fenster auf die Straße geworfen, die Inneneinrichtung zerschlagen und auf der Straße zu einem Haufen aufgeschichtet und in Brand gesteckt, wie es 1947 in den Akten der Staatsanwaltschaft Gießen vermerkt wurde. Das Gebäude entging der Vernichtung nur, weil man ein Übergreifen der Flammen auf die nahe stehenden Häuser befürchten musste.
1952 wurde das Haus zum Feuerwehrgerätehaus umgebaut. Dabei gingen sämtliche baulichen Merkmale der Synagoge verloren: Die Rundbogenfenster wurden be- seitigt, ein Garagentor eingebaut und eine Zwischendecke aus Beton eingezogen.
Nachdem die Feuerwehr vor wenigen Jahren eine neue Bleibe gefunden hatte, stellte sich die Frage, was mit der ehemaligen Synagoge geschehen sollte. Der Freundeskreis und die Stadt Münzenberg setzten sich mit der Idee durch, sie als Kulturhaus zu nutzen. Dabei stimmte man sich mit der benachbarten Jüdischen Gemeinde von Bad Nauheim und ihrem Vorsitzenden Monik Mlynarski ab.
Eigentlicher Gründungsvater des Kulturhauses Alte Synagoge, so Uwe Müller, sei Erwin Katz gewesen, ein ehemaliger jüdischer Münzenberger, der 1934 auswandern konnte. »Erwin Katz hat sich sehnsüchtig gewünscht, dass dieses Haus einer neuen Bestimmung zugeführt wird. Dieser Wunsch war für uns verpflichtend.«
Mahnung und Hoffnung verkörpere das Haus, so der Landrat des Wetteraukreises Joachim Arnold. Man habe dieses Gebäude seiner ehemaligen Würde als Synagoge beraubt; nun da zumindest die äußere Form wiederhergestellt sei, könne es auch für künftige Generationen ein »Ort des Gedenkens und der Erinnerung« bleiben.
Am Sonntag nach der Einweihung durchstreiften etwa 300 Besucher das renovierte Haus. Neben kulturellen Veranstaltungen möchten es Stadt und Freundeskreis auch nutzen, um die Erinnerung an die Geschichte der Juden in Münzenberg wach zu halten. Karl-Josef Müller

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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