Rachel Salamander

Lesen, lesen, lesen

von Miryam Gümbel

Die »Fan-Gemeinde«, wie Oberbürgermeis-
ter Christian Ude die Freunde und Gäste von Rachel Salamander bezeichnete, begrüßten die Jubilarin mit lang anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen, als sie ans Rednerpult im Foyer des Jüdischen Museums trat. Erst nach einigen Minuten hatte sie eine Chance, ihre Ansprache anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Literaturhandlung zu beginnen – in dem Haus, in dem sie seit diesem Jahr eine weitere Filiale hat. Fan-Gemeinde, so entschuldigte sich Christian Ude in seiner Laudatio beinahe, sei bei solch einem hochrangigen Kulturbetrieb ja nicht ganz das richtige Wort. Dass es dennoch hier am Platze sei, erklärte er schnell: Man erkenne die Fan-Gemeinde daran, dass ihre Mitglieder selbst bei hochkarätigen Gästen nicht fragten, »Sehen wir uns bei Henry Kissinger?«, sondern einfach »Sehen wir uns bei Rachel?«. Damit war er auch schon mitten in der Aufzählung ihrer Veranstaltungen mit internationalen Persönlichkeiten und Autoren von Weltrang.
Aus der Buch- und Literaturhändlerin mit Promotion in Germanistik sei längst auch eine vielbeachtete Autorin, Publizis-tin, Laudatorin und ein hochkarätiges Jurymitglied geworden, vor allem aber eine Kulturvermittlerin mit einem anspruchsvollen Veranstaltungsprogramm. Nur eines, so Ude, könne er bis heute nicht ganz verstehen: Dass Rachel Salamander es abgelehnt hatte, Kulturreferentin der Stadt München zu werden.
Die Zentralrats- und Münchner Gemeindepräsidentin Charlotte Knobloch zitierte zu Eingang ihrer Laudatio die Geehrte selbst: »Man muss sich bemühen, Negatives positiv zu wenden, und darf sich auch unter ungünstigen Bedingungen nicht unterkriegen lassen.« Mit den nunmehr bundesweit sechs Filialen ihrer Literaturhandlung gelinge es Rachel Salamander, Zerstörtes allmählich wieder aufzubauen. Hier erschließe sich dem Besucher, welch kulturelles Potenzial diesem Land während der NS-Zeit verlorengegangen ist. Oder wie der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann es einst ausgedrückt habe: »Rachel Salamanders Buchhandlung ist eine Einladung an die Bürger Münchens, nachzulesen, was sie zerstört und verloren haben.«
Über den Verlust können sich Interessierte nun in der Literaturhandlung von Rachel Salamander informieren: »In der Fürstenstraße und hier am Jakobsplatz stehen sie alle aufgereiht, die Bücher, die Einblick gewähren in eine vergangene Epoche.« Differenziert beleuchte, so die Präsidentin, »Rachel Salamanders fachkundiges Sortiment die deutsch-jüdische Tragik, aber eben auch den kosmopolitischen, kulturellen Reichtum unseres Volkes.« Dass dies keineswegs selbstverständlich war, zeigte Rachel Salamander selbst auf, als sie einige Zeilen von Hanne Lenz vorlas. Die Witwe des Schriftstellers Hermann Lenz hatte ihr anlässlich des Jubiläums geschrieben: »Immer wenn ich durch die Fürstenstraße gehe, auf dem Weg zu Dir, sehe ich statt der stillen, friedlichen Straße noch ein anderes Bild: Graue Häuserwände, von denen der Putz fällt, vom Feuer geschwärzte Fensterhöhlen. Ich bin oft dort gegangen, denn ich hatte in der Straße eine Freundin. Einmal an der Ecke der Theresienstraße traf ich einen Mann, den ich kannte und der mir erzählte, jetzt, so habe er gehört, würden auch die jüdischen Mischlinge, zu denen ich gehörte, in Lager abtransportiert. Es wurde plötzlich alles dunkel um mich, als ob eine schwarze Wolke alles verhüllte.
Wenn damals jemand zu mir gesagt hätte, dass es ein paar Häuser weiter eine jüdische Buchhandlung geben werde, dass jüdische Menschen Vorträge halten und einander freundschaftlich verbunden aus und eingehen würden, es wäre mir wie ein Wunder erschienen.«

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026