Internet-Ausstellung

Leben ohne Heimat

von Lisa Borgemeister

Vor gut einem Jahr erhielt Susanne Urban, Historikerin an der »International School for Holocaust-Studies« (Yad Vashem) in Jerusalem, einen Lehrauftrag vom Institut für Geschichte der Technischen Universität Darmstadt. Die Wahl eines geeigneten Themas fiel ihr nicht schwer: die jüdische Nachkriegsgeschichte in Deutschland. Zwei Semester lang haben die Studenten des Bachelor-Studiengangs »Geschichte der Moderne« in Archiven recherchiert, Referate gehalten, Informationsordner zusammengestellt und Texte verfasst. »Viel Arbeit«, sagt die 25-jährige Studentin Daniela Decker, »aber es hat auch viel Spaß gemacht. Am schwierigsten war es, die Mengen an Recherchematerial zusammenzufassen.« Entsprechend umfangreich wurde die virtuelle Ausstellung im Internet, die über das Displaced-Persons-Camp in Frankfurt-Zeilsheim informiert.
Titel der virtuellen Ausstellung: »Verfolgung, Vernichtung, Befreiung und dann? Jüdische Überlebende in Frankfurt-Zeilsheim«. Mehr als 100 Bilder, Dokumente und Aussagen von Zeitzeugen geben Einblick in ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte, das bislang nur wenig erforscht wurde. Die Aufmachung ist bewusst schlicht gehalten und soll nicht vom Inhalt ablenken. Großen Wert legten die Projektmitarbeiter auf die sorgfältige Darstellung von Einzel- und Familienschicksalen. Aus vielen individuellen Geschichten und Lebensläufen setzt sich so ein Gesamtbild zusammen. Zitate und Fotos geben den Menschen ein Gesicht.
Das Displaced-Persons-Camp in Frankfurt-Zeilsheim war eines von zahlreichen Camps, welche die Alliierten in Deutschland und Österreich für Millionen von Heimatlosen einrichteten. In Zeilsheim fanden zwischen 1945 und 1948 ausschließ- lich jüdische Überlebende Unterschlupf. Die meisten von ihnen lebten dort mehrere Jahre, weil sie aus politischen und bürokratischen Gründen Europa nicht verlassen konnten oder wollten. Trotz knapper Mittel bauten die Bewohner ein lebhaftes kulturelles Leben im Camp auf und gründeten eine eigene Presse.
Die Vermittlung des Holocaust-Themas in Deutschland gehört zu den Hauptaufgaben von Susanne Urban, die zwischen Israel und Deutschland pendelt, wo sie Lehrer und Studenten unterrichtet und eine Art Netzwerk aufbauen will. »Ich stelle immer wieder fest, dass junge Menschen mit dem Thema Holocaust wenig anfangen können, weil es in der Schule häufig sehr einseitig behandelt wird«, sagt Urban. Dieses Phänomen will sie bekämpfen.
Dass die Wahl der Präsentation auf eine Internetausstellung fiel, hat zwei Gründe: Zum einen fehlte das Geld für eine räumliche Ausstellung, zum anderen wollen die Projektteilnehmer möglichst viele Menschen mit ihrer Arbeit erreichen. Zielpublikum sind vor allem Schüler und Lehrer, die laut Urban einen anderen Zugang zum Thema finden sollen. »Die Ausstellung kann den Lehrplan verschiedener Fächer sinnvoll ergänzen«, bekräftigt die Historikerin. Sie hofft, dass das gesammelte und aufgearbeitete Material vielfach im Unterricht zum Einsatz kommt.
www.geschichte.tu-darmstadt.de/ueberlebende-zeilsheim

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Gericht: AfD-Mitgliedern kann Waffenbesitzkarte entzogen werden

Mitglieder und Unterstützer der AfD in Sachsen-Anhalt haben gegen den Entzug ihrer Waffenbesitzkarte geklagt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg wies die Klage ab. Nun entschied das Oberverwaltungsgericht.

 10.08.2026

Potsdam

Jüdische Gelehrsamkeit in berühmter Schlösserlandschaft - Rabbinerseminare im Wandel

Vor fünf Jahren wurde das Europäische Zentrum Jüdischer Gelehrsamkeit eröffnet - mit Rabbinerseminaren und einer Synagoge. Seitdem hat sich in der Rabbinerausbildung viel verändert. Wie geht es weiter?

von Leticia Witte  10.08.2026

Islamismus

Tagesspiegel-Vorwürfe gegen Karoline Preisler: Nun antwortet die FDP-Politikerin

Hatte sie einen jungen Mann wegen einer Vornamensgleichheit zu Unrecht als CSD-Attentäter verdächtigt? Preisler widerspricht und beklagt, die Zeitung habe sie nicht zu Wort kommen lassen

 30.07.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Trump: Netanjahu will, dass USA im Iran involviert bleiben

Unterschiedliche Interessen Israels und der USA sind im Iran-Krieg mehrfach zutage getreten. Kurz vor seinem Treffen mit Netanjahu deutet Trump an, dass die Differenzen nicht überwunden sind

 28.07.2026

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert