Aufarbeitung

Landesarchiv stellt NS-Akten online

Der frühere Mannschaftsarzt von Hertha BSC, Hermann Horwitz, wurde vom Moabiter Gleis 69 aus deportiert Foto: Stephan Pramme

Das Brandenburgische Landeshauptarchiv hat mehr als 40.000 Akten der NS-Vermögensverwertungsstelle für Berlin und Brandenburg online veröffentlicht. Damit werde der weltweiten Forschung ein bedeutender Aktenbestand über die Verfolgung vor allem von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus zur Verfügung gestellt, sagte Archivdirektor Mario Glauert zum Onlinestart am Dienstag in Potsdam. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne), deren Haus das Projekt mit mehr als 4,4 Millionen Euro gefördert hat, erklärte, die Akten belegten die systematische Entrechtung, Enteignung und Verfolgung.

Glauert sagte, die Unterlagen auf rund 2,5 Millionen gescannten Seiten enthielten Informationen zu zehntausenden Menschen, die vom NS-Staat als jüdisch oder »reichsfeindlich« verfolgt und ausgeplündert wurden. Sie dokumentierten, wie die NS-Finanzverwaltung ab 1942 das Vermögen der Verfolgten vor deren Deportation erfasst und dann zugunsten des NS-Staats verwertet und zu Geld gemacht hat.

Reichsweit wurden den Angaben zufolge von 1942 bis 1945 von der NS-Finanzverwaltung rund 1,5 Milliarden Reichsmark von Verfolgten eingezogen. Allein in der Region Berlin-Brandenburg seien es rund 600 Millionen Reichsmark gewesen, hieß es. Dies entspreche heute allein in dieser Region einem Betrag von rund vier Milliarden Euro.

»Dokumente der Entrechtung«

Die Unterlagen seien »Dokumente der Entrechtung«, betonte das Archiv. Glauert sagte, die Akten zum Vermögensentzug seien oftmals die letzten Zeugnisse, die über die verfolgten und ermordeten Menschen und ihre Schicksale erhalten seien. »Jeder kann selbst nachlesen, was damals geschah«, sagte der Archivdirektor.

In den Dokumenten finden sich den Angaben zufolge auch Daten zu zahlreichen Berliner Persönlichkeiten wie Martha Liebermann (1857-1943), der Fotografin Yva (1900-1942) und dem früheren Mannschaftsarzt des Fußballvereins Hertha BSC, Hermann Horwitz (1885-1943). Die Witwe des Künstlers Max Liebermann (1847-1935) nahm sich vor der Deportation das Leben. Yva, die mit bürgerlichem Namen Else Ernestine Neuländer-Simon hieß, wurde vermutlich im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Horwitz wurde im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

Projektleiterin Julia Moldenhawer sagte, die Dokumente zeigten, dass die Finanzverwaltung zu den wichtigen Bereichen des NS-Staats gehört habe und wie der Beamtenapparat an den Staatsverbrechen beteiligt gewesen sei. Alltägliche Verwaltungsarbeit habe mit professioneller Gründlichkeit den NS-Staat am Laufen gehalten. Der wissenschaftliche Archivar Dominic Strieder, Mitarbeiter des Projekts, betonte, die Akten zeigten, wie sich die NS-Gesellschaft bereichert habe. »Hinter den Aktendeckeln verbirgt sich die Barbarei«, sagte er.

Die Digitalisierung und Bereitstellung der Unterlagen ist Teil eines Projekts zur Forschung nach NS-Raubgut. Ziel ist den Angaben zufolge, anhand der digitalisierten Unterlagen systematisch nach dem Verbleib von im Zuge der NS-Verfolgung entzogenen Kunstgegenständen zu suchen. Das im November 2020 begonnene Projekt zur Provenienzforschung läuft nach Archivangaben bis Ende 2026. epd

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026