antisemitische Anwürfe

Koscherer Fußball

von Martin Krauss

Der russische Milliardär Roman Abramowitsch weilte jüngst mit seinem Verein Chelsea FC im spanischen Valencia. Der englische Fußballklub gewann dort mit 2:1 in der Champions League. Abends sagte Abramowitsch, er wolle nun gerne mit ein paar Fans sprechen. Doch in der Bar des Valencia Hilton fanden sich keine, also wurden Abramowitschs Bodyguards losgeschickt, um Fans zu einem Bier einzuladen.
Bis die Hotelbar nachts um halb zwei schloss, saßen die Fans mit Abramowitsch zusammen. »Ich möchte, dass ihr mir vertraut, dass Avram der richtige Mann ist«, so gaben die Fans später Abramowitschs Worte über den umstrittenen neuen Trainer wieder, den Israeli Avram Grant (Jüdische Allgemeine vom 27. September, S. 11).
Abramowitschs Einladung zum Bier gehört zu den Versuchen der Chelsea-Führung, auf die als rechtsradikal und antisemitisch verschrieenen Fans des Chelsea FC einzuwirken. Schon wenige Tage zuvor hatte sich der Vereinsvorsitzende, Bruce Buck, in scharfen Worten an die Fans gewandt: »Antisemitische Äußerungen werden wir nicht tolerieren, weder in Briefen noch auf Postern oder Plakaten.«
Abramowitsch und Buck sehen sich zum Handeln gezwungen, seit mit Avram Grant der Nachfolger des populären, kürzlich zurückgetretenen Trainers José Mourinho feststeht. Fangesänge gegen den Juden Grant wurden angestimmt, in Internetforen wurde gegen Grant und den ebenfalls jüdischen Abramowitsch gehetzt. Doch auch in der scheinbar seriösen Presse wurde Antisemitismus laut. Im Evening Standard schrieb der ehemalige konservative Kulturminister David Mellor, Grant sei nur »aus einem Grund« gekommen: »Er ist ein Israeli-Russe in einem Klub, der einem von Israel besessenen Russen gehört.« In der Times schrieb deren Fußballchef Martin Samuel, Abramowitsch sei bei der Berufung Grants von »seinem jüdischen Erbe« getrieben worden – nun sei Chelsea »nicht so sehr russisch als vielmehr koscher«. Der englische Prominentenanwalt Graham Shear, zu dessen Mandanten auch Robbie Williams und Jude Law zählen, wandte sich brieflich an diverse Zeitungen des Landes; er sei »besorgt über Ton, Inhalt und versteckte Andeutungen einiger Artikel«.
Der linksliberale Guardian stellte sich an die Seite des Konservativen Mellor: Israelische Blätter hätten sich den Ex-Minister »zum Public Enemy Nummer eins« ausgeguckt, nur weil der die Ernennung Grants nicht gutheiße. Und Martin Samuel, der besagte Times-Journalist, schrieb, als habe er mit der ganzen Sache nichts zu tun: Rechtsradikale in Internetchats seien »in keiner Weise repräsentativ für die Mehrheit«.
Das Biertrinken in der Hotelbar von Valencia jedenfalls endete mit Abschiedsfotos: Die Chelsea-Fans ließen sich Arm in Arm mit Roman Abramowitsch knipsen. Einer der Fans fragte hinterher, warum der Russe nicht öfter in den Medien auftauche, er spreche doch erstaunlich gut Englisch.
Grant selbst wird bald erstaunlich viel von Fußball verstehen. Bislang fehlte ihm die nötige Uefa-Pro-Lizenz, aber der frühere Nationaltrainer erhielt nun vom israelischen Verband die Möglichkeit, in einem 90-Stundenkurs alles nachzuholen. »Avram hat sich in die Senioren-Trainer-Kurse eingeschrieben«, teilte Amnon Raz mit, Chef der israelischen Fußballlehrervereinigung.

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