Bettenbörse

Koscher schlafen

Als Tamir Einy mit dem Rucksack durch Mexiko reiste, fand er am Pessachfest im Umkreis von Meilen keine Synagoge. Zwar war er nicht besonders religiös, aber auf be-
stimmte Traditionen des jüdischen Lebens wollte er auch im Urlaub nicht verzichten. Da stellte er sich die Frage, warum es zwar zahlreiche Angebote für jüdische Pauschaltouristen oder organisierte Reisegruppen gibt, jedoch keine spezielle Infrastruktur für jüdische Individual- und Rucksacktou-
risten. Nach Israel zurückgekehrt, entwi-
ckelte der Student der Ingenieurswissenschaften an seiner Heimatuniversität, dem Technion in Haifa, vor einem Jahr gemeinsam mit drei Kommilitonen die Idee einer weltweiten Bettenbörse für Juden. Das Ba-
by, das damals gezeugt wurde, wird Ende dieses Monats geboren. Dann nämlich geht, so Gott will, die Website »Jewgether« online.
»Jewgether« basiert auf dem Konzept solcher Online-Bettenbörsen wie »Couchsurfer« oder »Hospitality Club«. Dort kann sich jeder registrieren, der ein Gästezimmer an-
bietet oder eines sucht. Der kleine aber feine Unterschied ist, dass sich das Angebot nur an Juden richtet. Nicht, um irgendjemanden auszuschließen. Sondern weil sich viele Juden bisher ausgeschlossen fühlten. »Viele Religiöse reisen nicht gerne ‚alternativ’, weil es schwierig ist, Gastfamilien zu finden, die eine koschere Küche führen oder die Feiertage begehen«, sagt Doron Sa-
mish, Philosophiestudent und inoffizieller Marketingchef von »Jewgether«. »Und auch nichtreligiöse Juden haben bei dieser Art des Reisens häufig Angst vor antisemitischen Anfeindungen.«
Natürlich lässt sich nicht überprüfen, ob jeder, der sich auf der Website registriert, auch tatsächlich Jude ist. Die Gefahr des Missbrauchs schätzen die Gründer aber als gering ein. Wer sich anmeldet, muss eine elektronische Kopie seines Reisepasses anfügen. Stalker und Antisemiten sollen damit abgeschreckt werden. Zudem können sich Gäste und Gastgeber nach dem Besuch gegenseitig bewerten.
Angefangen hat »Jewgether« als Gruppe auf der Online-Community-Plattform Facebook. Dort sind inzwischen 365 Personen der Gruppe beigetreten. »Da haben wir gemerkt, dass vielleicht noch mehr Potenzial in der Sache steckt«, sagt Doron Samish. Die ambitionierten Studenten schrieben an jüdische Organisationen wie »Stand With Us«, die World Zionist Organization oder die Jewish Agency sowie Einzelpersonen und baten um Unterstützung. Ihr Konzept schien überzeugend zu wirken, denn die genannten Gruppen entschlossen sich zum Sponsoring, zahlreiche Spenden gingen ein.
So werden zumindest die laufenden Ausgaben gedeckt. »Profit werden wir auf absehbare Zeit wohl nicht machen«, gibt Samish zu. »Bisher ist es eher ein Hobby von uns.« Erfolg und weitere Spenden er-
hofft er sich dennoch. Auf der provisorischen Website haben sich bisher etwa 400 Interessenten registriert. »In einem Jahr rechnen wir mit 10.000 Mitgliedern weltweit«, so Samish.
Im Zeitraum von etwa einem Jahr sollen auch die geplanten spanisch- und französischsprachigen Versionen der Seite fertig sein. Eine deutsche Fassung ist bisher nicht geplant. Deutschsprachige Nutzer müssen sich also zunächst mit der englischen Ausgabe begnügen. Aber Englischkenntnisse können bei Reisen um die Welt ja ohnehin nicht schaden. www.jewgether.org

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026