Ely Oknin

Kochtopf statt Konten

von Christine Schmitt

Ein »dickes Gehalt und eine hohe Position in einer Bank« wären ihm wohl sicher gewesen, wenn er in Israel geblieben wäre. »Stattdessen habe ich ein großes Konto mit Lebenserfahrungen«, sagt Ely Oknin. Er sei eben ein Aussteiger und ein »Botschafter Israels«, der seine Heimat den Deutschen bekannt machen möchte. Seit kurzem lässt er alle seine Erfahrungen in einem großen Topf brodeln: »Sababa« (Nürnberger Straße 28) heißt sein jüngstes Projekt.
»Es war schon lange mein Traum, ein eigenes Restaurant aufzumachen«, strahlt der 50-Jährige. Dabei fing seine Leidenschaft fürs Kochen mehr aus der Not heraus an. Beim Militär gab es immer nur Essen aus Dosen, Dosen und wieder Dosen. »Dann begann ich, mit frischem Gemüse etwas zu improvisieren«, sagt er. Und das kam gut an bei den Soldaten.
Nach dem Wehrdienst heiratete Ely Oknin eine »junge Frau, die überhaupt nicht kochen konnte«. Wenn Besuch kam, stand er in der Küche. Verlässlicher Rat-
geber war immer seine Mutter, von der er sich auch die ersten Kochbücher auslieh. Zuerst kochte er streng nach Rezept, dann traute er sich ein wenig später, sie nach eigenen Ideen abzuändern. Doch in der Küche stehen und Gemüse schneiden war nur eine Nebenbeschäftigung, denn er studierte zunächst Businessmanagement und arbeitete schließlich bei einer Bank in seiner Heimatstadt Naharia.
1973 kam Ely Oknin das erste Mal zu Besuch nach Berlin und lebte bei einer Gastfamlie in Tempelhof, mit der er heute noch befreundet ist und die ihm viel geholfen hat. »Deutschland hatte damals großen Eindruck bei mir hinterlassen.« Als er ein paar Jahre später geschieden wurde, stand für den Vizedirektor einer Bank fest: »Ich gehe nach Berlin.« 1989 war es dann soweit. Er hatte seinen Job gekündigt und war bereit für ein neues Leben.
In Deutschland angekommen musste Ely Oknin jedoch feststellen, dass es »schwierig ist mit der deutschen Küche«. Deshalb lud er sich gerne bis zehn Gäste zum Schabbat zu sich nach Hause ein und kochte für sie nach israelischen Rezepten. Werktags saß er im Reisebüro und versuchte, Deutschen das Urlaubsland Israel schmackhaft zu machen. Viel Spaß hatte ihm diese Arbeit gemacht, dennoch habe er das Reisebüro vor fünf Jahren aufgegeben, um zwei Jahre lang »unterwegs sein zu können und zu reisen«. Als er wieder nach Berlin kam, arbeitete er in einer Immobilien-Firma.
Vor kurzem sah er, dass nahe seiner Wohnung ein Lokal zu vermieten war. »Das ließ mich nicht mehr los.« Sein Entschluss stand rasch fest: In diesen kleinen Räumen wird ein israelisches Restaurant mit schlichter Einrichtung und israelischer Küche entstehen. »Schweinefleisch gibt es bei uns zwar nicht, aber richtig koscher sind wir auch nicht.« Viele orientalische Gerichte stehen außerdem auf der Karte. »Mein Koch und ich haben beide nordafrikanische Wurzeln«, sagt er. Eine Servicekraft und ein Praktikant unterstützen Ely Oknin.
Nur montags habe er noch ein bisschen Freizeit, denn da bleibt die Küche des Restaurants kalt. Aber selbst diesen Tag nutzt er, um einkaufen zu gehen. »Frisch, es muss alles frisch sein«, sagt er. Schließlich hat er diese Erfahrung schon beim Militär gemacht. Dann schmökert er gerne noch in Büchern und telefoniert mit seiner Mutter und seinen beiden Kindern in Israel. Manchmal muss er aber auch vom Restaurant aus seine Mutter anrufen und ihren Rat einholen. »Wenn ich für 20 Leute und mehr koche, kann ich oft nicht einschätzen, wie viel von den Gewürzen genau in den Topf kommen«, sagt Ely Oknin. Aber an Erfahrungen sei er wieder reicher geworden.

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