Diplomatie

Knatsch zwischen Brüssel und Jerusalem

UN-Sicherheitsrat in New York Foto: imago images/Cavan Images

In den diplomatischen Beziehungen zwischen Belgien und Israel herrscht dicke Luft. Diese Woche bestellte das Außenministerium in Jerusalem den stellvertretenden belgischen Botschafter in Israel, Pascal Buffin, ein, um ihm die Leviten zu lesen.

Der Grund für die ungewöhnliche Aktion zwischen befreundeten Staaten: Belgien, das wie Israel seit gut einem Jahr nur eine geschäftsführende Regierung hat, aktuell aber den Vorsitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen führt, soll gleich mehrere Israelkritiker in das wichtigste UN-Gremium eingeladen haben. So wird auf belgische Einladung hin kommende Woche ein radikaler palästinensischer Aktivist vor den Vertretern der 15 Mitgliedstaaten des Rates (darunter ist auch Deutschland) sprechen.

KAMPAGNE Laut einem Bericht der »Times of Israel« halten die Israelis das Vorgehen der Belgier für eine »systematische Kampagne, den jüdischen Staat bei den Vereinten Nationen zu dämonisieren«.

Belgien hat mehrere antiisraelische Aktivisten eingeladen.

Lior Haiat, Sprecher des israelischen Außenministeriums, sagte der Online-Zeitung, Belgien positioniere sich als das Israel am feindlichsten gesinnte Mitgliedsland im Sicherheitsrat. Und das, obwohl dem Gremium momentan auch Israel traditionell wenig gewogene Staaten wie Tunesien, Indonesien und Südafrika angehören.

TERRORISMUS Haiats Vorgänger als Sprecher, Emmanuel Nahshon, ist jetzt der Botschafter Israels in Brüssel. Auch er postete am Donnerstag eine für Diplomaten ungewöhnlich scharfe Erklärung: Belgien habe »Unterstützer des Terrorismus« in den Rat eingeladen. Das sei »ausgesprochen enttäuschend«. Man werde auf das Schärfste dagegen protestieren, schrieb Nahshon auf Twitter.

https://twitter.com/EmmanuelNahshon/status/1225422004825853954

Brad Parker, einer der antiisraelischen Aktivisten, die im Fokus der Kritik stehen, teilte der »Times of Israel« auf Anfrage mit, sein Bericht an den Rat drehe sich um »schwere Verletzungen der Rechte von Kindern« in Israel und den palästinensischen Gebieten. Aber er sei deshalb kein Terrorismus-Unterstützer und werde sich gegen jeden, der solche Vorwürfe erhebe, juristisch zur Wehr setzen. Grundlage seines Berichts an den Sicherheitsrat sei ein »auf Fakten basierender Mechanismus« des UN-Kinderhilfswerks UNICEF.

HILFSWERK Seine Ausführungen seien auch nicht kontrovers, sagte Parker. Vielmehr seien die Vorwürfe gegen ihn ein Versuch, seine »legitime Arbeit im Menschenrechtsbereich«, besonders, was die Situation von Kindern unter israelischer Besatzung angehe, zu diskreditieren.

Israel wirft dagegen einzelnen Aktivisten von Parkers Organisation »Defense for Children International – Palestine« (DCI-P) vor, Mitglieder der als Terrororganisation eingestuften »Volksfront für die Befreiung Palästinas« zu sein.

KOALITION Eine der Hauptgeldgeber von DCI-P ist das katholische Hilfswerk »Broederlijk Delen« in Flandern, das auf die Entwicklungszusammenarbeit spezialisiert ist. »Broederlijk Delen« wiederum erhält auch Zuwendungen der belgischen Föderalregierung.

Diese ist seit Dezember 2018 nur noch geschäftsführend im Amt. Seit der Parlamentswahl im Mai 2019 verhandeln die Parteien in Brüssel über die Bildung einer neuen Regierungskoalition, bislang ohne einen Durchbruch erzielt zu haben.

Angeführt wird die momentane Regierung seit November 2018 von der Liberalen Sophie Wilmès. Sie ist nicht nur die erste Frau an der Spitze der belgischen Exekutive. Sie ist auch die erste Jüdin.

 

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026