Reinhard Schramm

Kirchenglocken mit Hakenkreuzen

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen Foto: dpa

Am 27. Januar haben in Thüringen in vielen evangelischen Gemeinden die Kirchenglocken geläutet. Bemerkenswert daran war: In fünf Gemeinden waren Glocken mit eindeutigen Widmungen aus der Nazizeit dabei.

Eigentlich sollte der Klang der Kirchenglocken am Holocaust-Gedenktag Mahnung sein, aber das Läuten der Glocken mit ihren nationalsozialistischen Widmungen ist eine Beleidigung der Opfer der Nazi-Barbarei. Diese Glocken müssen abgehängt werden, zumindest müssen die nationalsozialistischen Widmungen abgeschliffen werden.

AUSWEG Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hatte vorgeschlagen, die Widmungen abzuschleifen – auf ihre Kosten. Doch nicht einmal diesen bequemen Ausweg wollten die jeweiligen Gemeindekirchenräte nutzen. So verzichten sie darauf, einzugestehen, dass große Teile der Kirche zwischen 1933 und 1945 schlimme Fehler begangen haben.

Stattdessen werden bis heute die Standorte der Kirchenglocken mit NS-Symbolen geheimgehalten. Das mag die Anmeldung von Demos für und gegen Nazi-Kirchenglocken erschweren, vor allem aber verzögert es die Beseitigung der schmerzlichen Nazi-Symbolik in deutschen Kirchen!

Dass die Kirchen mit Naziglocken geheimgehalten werden, verzögert die Aufarbeitung.

Es sind nämlich vor allem die Kirchengemeinden, die Eigentümer der Nazi-Glocken sind. Und die nehmen ihre Verantwortung nicht wahr. In Thüringen sind es genau die Kirchenräte der fünf Gemeinden, die verzögern und verschweigen, was mit den Glocken geschehen soll.

Und keiner dieser Kirchenräte kann sich hinter der EKM verstecken, denn Landesbischöfin Ilse Junkermann hat sich klar positioniert: Sie stellt sich mit aller Entschiedenheit Geschichtsvergessenheit und Gleichgültigkeit entgegen. Und die Thüringer Staatskanzlei wird im kommenden Kirchengespräch eine zeitnahe Lösung unterstützen.

Es sind, das muss man klar sagen, die Gemeinden, die das Hilfsangebot ihrer Landeskirche ablehnen und die die Verantwortung tragen.

Der Autor ist Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen.

Holocaust-Gedenken

Mendel und Wagner kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026