Premiere

Kino aus Tel Aviv

Am vergangenen Wochenende gewann der israelische Regisseur Samuel Maoz mit seinem Film Lebanon den Goldenen Lö-
wen des Filmfestivals von Venedig (vgl. S. 20). Ein weiterer Beleg für die hohe Qualität israelischer Filme und die Notwendigkeit, das israelische Kino bekannter zu machen, findet Amir Jakoov Goldman, Mitbe- gründer des ersten israelischen Filmfestivals »Cinemaviv« in Berlin, das am am vergangenen Sonntag und Montag im Kino »Die Kurbel« in Charlottenburg stattfand.
Aus privater Begeisterung geboren zeigte das kleine Festival fünf Filme über, von oder mit Tel Aviv. Zur Eröffnung kam der Gesandte der israelischen Botschaft, Em-
manuel Nahshon: »Es freut mich sehr, dass der 100. Geburtstag von Tel Aviv auch in Berlin gefeiert wird«, sagte er.

unpolitisch Das Publikum sieht es offenbar ähnlich, denn »Die Kurbel« war schon zur Eröffnung des Festivals sehr gut gefüllt. Zum Auftakt lief die Satire Der Blaumilchkanal von Ephraim Kishon. Anschließend wurde in Anwesenheit des Regisseurs Dror Zahavi Alles für meinen Vater gezeigt. Am zweiten Tag standen Tel Aviv Stories (Ayelet Menahemi und Nirit Yaron) und Tel Aviv Jaffo (Anat Zeltser und Modi Bar-On) auf dem Programm. Abgeschlossen wurde das Festival mit The Wisdom of the Pretzel von Ilan Haytner.
Es sei ihnen ein großes Anliegen, kein politisch motiviertes Filmfestival zu veranstalten, betonten die Veranstalter, Eventmanagerin Bella Zchwiraschwili und Kommunikationsdesigner Adi und Amir Jakoov Goldman immer wieder. Aber kann man überhaupt unpolitisch sein, wenn man Filme aus Israel zeigt? Ja, sagt Adi Goldman entschieden: »Man kann es sein und es ist wünschenswert, denn es gibt in Israel ganz andere Themen und Probleme als Krieg und Gewalt. Wir zeigen kleine Facetten des Alltags.« Und sein Bruder Amir Jakoov ergänzt: »Wir wollten Israel aus einer anderen Perspektive zeigen – nicht konfliktgeschwängert und oft auch einseitig, wie es sonst gezeigt wird, sondern ein ganz normales Festival aus einem ganz normalen Land«.
Als Konkurrenz zum seit 15 Jahren stattfindenden »Jewish Film Festival Berlin« (JFFB) sehen sich die Veranstalter übrigens nicht, denn ihr Schwerpunkt sei nicht das Judentum sondern ausschließlich Is-
rael: Auch Nicola Galliner, Leiterin des JFFB, hat keine Bedenken, dass ihrem gut etablierten Festival Konkurrenz erwächst, sondern freut sich, »dass meine langjährige Arbeit kleine Kinder bekommt«.
Pläne Mag der Name »Israelisches Filmfestival Berlin« noch etwas hochtrabend klingen, das noch kleine Geschöpf soll wachsen und gedeihen, so der Wunsch seiner Erfinder. Wenn das neue Festival genügend Unterstützer findet, soll es jährlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten stattfinden und kleine Produktionen aus Israel einem breiteren Publikum bekannt machen. Dann nicht mehr nur zwei Tage, sondern eine ganze Woche lang, kündigt Bella Zchwiraschwili an.

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