Michail Lewin

»Keiner soll einsam sein«

Herr Lewin, seit Anfang Dezember gibt es in der Fasanenstraße eine Selbsthilfegruppe für und von Menschen mit Behinderungen. Was hat Sie dazu veranlasst, diese Gruppe ins Leben zu rufen?
lewin: Behinderte Gemeindemitglieder sind bisher noch nicht ausreichend wahrgenommen worden. Für eine Gemeinde ist es notwendig, sich um die Schwachen zu kümmern. Behinderte Menschen und deren Angehörige vereinsamen wegen der besonderen Lebens-
umstände schnell. Eine Selbsthilfegruppe bietet eben auch die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen.

Wie viele Menschen mit Behinderungen gehören der Berliner Gemeinde an?
lewin: Zwischen 50 und 100, ich habe unterschiedliche Angaben. Die genaue Zahl ist nur schwer festzustellen. Was sicherlich auch daran liegt, dass die meisten zurückgezogen leben und kaum in Erscheinung treten.

Wie erreichen Sie diese Menschen?
lewin: Ich arbeite mit der Sozialabteilung zusammen, habe mir entsprechende Adressen besorgt und besuche seitdem etwa dreimal in der Woche einen behinderten Menschen und dessen Familie. Wichtig ist zu er-
fahren, was sie für Wünsche und Vorstellungen haben. Unserer Gruppe gehören mittlerweile bereits 15 betroffene Menschen an.

Wie steht es um ein Heim für behinderte jüdische Menschen?
lewin: Es muss sichergestellt werden, dass Behinderte einen betreuten Wohnplatz mit jüdischem Kontext bekommen, sobald ihre Angehörigen sich nicht mehr kümmern können. Etwa zehn Betroffene interessieren sich bereits. Wir suchen nach Unterstützern.

Wie soll die Behinderten-Gruppe in einem Jahr aussehen?
lewin: Bis Ende 2007 soll ein Club entstanden sein, in dem sich jeder Mensch mit Behinderungen gut aufgehoben fühlen soll. Ebenso soll den Angehörigen, deren Leben mitunter äußerst anstrengend ist, die Last ein wenig gemildert werden. Es soll rechtliche und psychologische Beratungen geben. Ansonsten könnte ich mir Angebote wie gemeinsame Ausflüge, Malgruppen, Deutsch- und Russischunterricht vorstellen. Aber das Wichtigste ist nach wie vor: die Menschen zusammenbringen, damit keiner mehr einsam sein muss.

Mit dem Initiator der Behindertengruppe in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sprach Christine Schmitt

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