Wiesbaden

Jiddischkeit mit Jazzappeal

»Tarbut«, das ist im Hebräischen der Begriff für das deutsche Wort Kultur. Und für diese jüdische Kultur nimmt man sich in Wiesbaden viel Zeit, fast ein halbes Jahr, nämlich vom 16. Juli bis zum 8. November. Gemeinsam mit dem Kulturamt der hessischen Landeshauptstadt und mit Unterstützung des Zentralrats der Juden in Deutschland hat die Jüdische Gemeinde Wiesbaden wie schon im vergangenen Jahr ein vielfältiges Kulturprogramm zusam-
mengestellt. Wie beispielsweise die Fotoausstellung »Wasser ist Leben«, die vom 17. Juli bis zum 6. August im Foyer des Rathauses zu sehen ist. Hier ist zu bestaunen, wie es dem seit jeher unter Wassermangel leidendem Israel gelingt, neue Quellen zu erschließen und Wasser aufzubereiten.
Ein Höhepunkt des Programms sind die Konzerte der Kfar Saba Symphonic Wind Youth Band im Kulturforum: Die 60 jungen Musiker und Musikerinnen aus Wiesbadens Partnerstadt Kfar Saba präsentieren Klassik, israelische Folklore und Pop. Und auch das Hamburger Leon Gurvitch Jazz-Project ist ein musikalischer Grenzgänger: Klesmer trifft Jazz trifft Weltmusik, experimentell und modern – in den Kurhaus-Kolonnaden. Gurvitch wird begleitet von Inna Vysotska, Omar Rodriguez Calvo und Dimitris Christides.
Auch die historische Filmbühne Caligari beteiligt sich am Programm: Hier sind die Filme »Jellyfish – Vom Meer getragen«, »A Tickle in the Heart« und »Shnat Effes – Die Geschichte vom bösen Wolf« zu sehen. Im Kulturforum in der Friedrichstraße gastiert das Figurentheater Lappanoptikum, das in der Tradition des russischen Puppentheater-Machers Sergej Obraszow steht. Hier präsentiert »Tarbut« auch die Band The Jewels, die auf »Jiddischkeit mit Jazzappeal« setzt und jüdische Musiktraditionen – die Klänge aus den Schtetln – mit denen der Welt, mit Tango, Son, Polka, Swing und arabischer Musik zusammenfließen lässt.
Auch die Literatur hat ihren Platz bei »Tarbut«: Die Frankfurter Autorin Ulrike Kolb, bekannt geworden mit dem Roman Frühstück mit Max, wird im Literaturhaus Villa Clementine aus ihrem neuen Buch Yoram lesen. Einem Roman einer jüdisch-deutschen Liebe: der Liebe zwischen Carla und Yoram, die es vermag, sich gegen die Abgründe der Vergangenheit zu behaupten – und doch am Jetzt zerbrechen könnte.
Einige Perlen der jüdischen Kultur sind in Wiesbaden zu erleben. »Indem wir das Angebot über einen langen Zeitraum streuen, bringen wir uns als Gemeinde immer wieder ins Gespräch zurück«, sagt Jacob Gutmark, Vorstandmitglied und an der Planung von Seiten der Gemeinde beteiligt. Am 6. Oktober, während des Laubhüttenfestes stellt sich die Jüdische Gemeinde beim Tag der offenen Tür in der Friedrichstraße 31-33 vor. Marc Peschke

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