Yuriy Tsoglin

Interessenvertreter

Nach fünf Jahren im Ausländerbeirat hat Yuriy Tsoglin noch einige Wünsche offen. So träumt er davon, dass Ausländer in Deutschland nicht mehr unter sozialer Benachteiligung leiden und aktiv an Kommunalwahlen teilnehmen dürfen. Am 7. Juni stellt sich der jüdische Ukrainer zum zweiten Mal zur Wahl in den Dresdner Ausländerbeirat. In diesem Gremium erarbeitet er Stellungnahmen, mit denen er der Oberbürgermeisterin in für Ausländer relevanten Themen beratend zur Seite steht.
Der 72-Jährige wurde im ukrainischen Donezk geboren. Der Diplom-Ingenieur für Wärmeenergetik hat unter anderem zwölf Patente inne. Von 1986 bis 1988 leitete er den Rettungseinsatz nach der Katastrophe in Tschernobyl. Als jedoch in den Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs faschistische paramilitärische Organisationen, wie die Ruch- und UNSO-Bewegung, an Einfluss gewannen, flüchtete Yuriy Tsoglin mit seiner Familie 1995 nach Deutschland. »So kenne ich die Probleme von Umsiedlern.« Viele Ausländer, besonders Spätaussiedler, würden in Deutschland wegen ihres hohen Alters sehr schwer Arbeit finden.
Yuriy Tsoglin hatte Glück und fand schnell Anschluss. Von 1996 bis 1999 war er Berater beim Lehrstuhl für Kerntechnische Anlagen an der Technischen Universität Dresden. Bis heute engagiert er sich vielseitig. So ist er seit 2003 Vorsitzender der KIW-Gesellschaft, einem Verein, der Integrationsprojekte betreut. Im selben Jahr wurde Yuriy Tsoglin auch zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Dresden gewählt, in der viele ukrainische und russische Zuwanderer leben. Insofern sieht sich Yuriy Tsoglin durchaus als Vertreter einer Mehrheit, betont jedoch: »In der Gemeinde spielt die Herkunft keine Rolle.«
Nach vielen Sitzungen, Seminaren und Gesprächen und so kurz vor der Wahl sei sein »Kopf etwas voll«. Bei einem Spaziergang oder der Lektüre moderner russischer Literatur bekomme er ihn wieder frei. Außerdem liebt Yuriy Tsoglin alpines Skifahren. »Da muss an freien Wochenenden auch die Familie mit«, scherzt er und denkt an seine Frau, die Tochter, den Sohn und seine drei Enkel. Mit seiner Frau habe er kürzlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Nach Paragraf 4 (Ziffer 3) der Satzung des Ausländerbeirats darf er sein Amt dennoch weiterführen. So eine Situation möchte sich Yuriy Tsoglin auch gar nicht ausmalen: »Schließlich fühle ich mich politisch verantwortlich und möchte das jüdische Renommee verbessern.« Teresa Stelzer

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