Eurovision

Im Duett für den Frieden

Dies könnte der größte Tränenzieher beim Eurovision Song Contest seit Nicoles »Ein bisschen Frieden« werden: Für Israel tritt beim diesjährigen Schlagerwettbewerb, der Mitte Mai in Moskau stattfindet, ein jüdisch-arabisches Duo an, bestehend aus Achinoam Nini, international bekannt als Noa, und Mira Awad.
Eine demokratische Entscheidung: Vergangene Woche erhielt ihr Song »There must be another way« (»Es muss doch ei-nen anderen Weg geben«) in der Vorentscheidung die meisten Stimmen der israelischen Schlagerfans. Nun treten die Jüdin mit jemenitischen Wurzeln und die christliche Araberin – man sieht ihnen nicht gleich an, welche welche ist – gemeinsam mit dem Gitarristen Gil Dor für Israel an und singen für den Frieden.
»Und wenn ich weine, weine ich um uns beide. Mein Schmerz hat keinen Na-
men. Und wenn ich weine, wende ich mich zum gnadenlosen Himmel und sage: Es muss doch einen anderen Weg geben«, heißt es in dem Lied, dessen Text teils hebräisch, teils arabisch und teils englisch gesungen wird. Staatspräsident Shimon Peres gratulierte den Beiden bereits zu dieser Friedensinitiative ganz eigener Art.
Noa, alias Achinoam Nini, wurde 1969 in Israel geboren und wuchs in New York auf. Sie trat unter anderem mit Sting, Stevie Wonder und Santana auf und steuerte den Titelsong zu Roberto Benignis Holocaust-Komödie »Das Leben ist schön« bei. 1995 stand sie in Tel Aviv auf der Bühne, als Premierminister Yitzhak Rabin von einem Rechtsradikalen erschossen wurde.
Die 33-jährige Schauspielerin und Sängerin Mira Awad stammt aus einem Dorf in Galiläa und lebt heute in Tel Aviv. Zum Star wurde sie durch ihre Rolle in der Sitcom »Arab Labor«. Mit Noa arbeitete sie erstmals 2002 zusammen; gemeinsam nahmen sie eine Coverversion des Beatles-Songs »You can work it out« auf.
Doch einfach nur Musik machen – das funktioniert nicht in einem Land, in dem alles politisch ist. Die befreundeten Musikerinnen verstehen sich nicht erst seit ges-
tern als Botschafterinnen für Frieden und jüdisch-arabische Koexistenz. Awad unterstützt die arabisch-kommunistische Chadasch-Partei, Noa verurteilte bereits mehrfach lautstark die radikale Siedlerbewe-
gung, weigert sich, in der »besetzten« Westbank aufzutreten und musste bereits einige Konzerte absagen, weil es Bombendrohungen von Rechtsradikalen gegeben hatte.
Doch neuerdings können es die beiden auch ihren politischen Freunden nicht mehr recht machen. Araber und linke Is-
raelis werfen ihnen vor, mit ihrem Eurovisions-Auftritt in Moskau der Weltöffentlichkeit eine friedliche Koexistenz vorzugaukeln, die es so gar nicht gäbe.
Nach den Wahlen versäumten Noa und Awad nicht, auch den Rechtsruck in Israel, also den »Extremismus auf beiden Seiten«, zu beklagen. Doch wer bei den Linken einmal als Verräter abgestempelt ist, der findet nicht so rasch wieder Gnade.
Das ficht die israelischen Fans, die das Duo in die Moskauer Endausscheidung ge-
wählt haben, indes nicht an. Und so kann man sich auf den Auftritt zweier goldener Stimmen in Mai freuen. Vorausgesetzt, einem gefällt diese Art von Musik.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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