Profi-Baseball-Meisterschaft

Home Run auf Hebräisch

von Martin Krauss

»Wenn du es baust, wird er kommen.« Kaum ein Satz aus der Filmgeschichte fand in Sportteilen israelischer Zeitungen in jüngster Zeit häufiger Verwendung als diese Beschwörung. Kevin Costner als Farmer Ray Kinsella hört in Field of Dreams eine Stimme, die diesen Satz spricht, und baut daraufhin ein Baseballfeld. Als es fertig ist, kommen die Sporthelden seiner Jugend, demonstrieren die Schönheit des Spiels, und so ganz nebenbei verhindern sie den Bankrott der Farm.
Am 19. August findet auf dem Yarkon-Feld in der Nähe von Tel Aviv das erste Finale um die israelische Profibaseballmeisterschaft statt. Das erste Spiel der Liga am 24. Juni sahen immerhin 3.112 Menschen, die folgenden Spiele meist nur wenige Hundert. Sechs Teams bilden die Liga; sie tragen ihre Spiele in drei Stadien aus: Neben dem Platz auf dem Yarkon-Sportkomplex ist es noch das Gezer-Feld in einem 25 Minuten von Jerusalem entfernten Kibbuz und das Sportek-Feld in der Nähe der Hotels von Tel Aviv. 120 Profis wurden verpflichtet: 77 kommen aus den USA, 16 aus der Dominikanischen Republik, neun aus Kanada, andere sind in Japan, Australien oder Europa angeworben worden. Aus Israel kommen 15, was auch daran liegt, dass jedes Team verpflichtet ist, mindestens zwei Israelis im Kader zu haben. Die Profis erhalten relativ geringe Gehälter: Umgerechnet 1.500 Euro für die Saison wird pro Kopf gezahlt, dazu Unterkunft, Verpflegung und ein Flugticket.
Sportprominenz lockt man so nicht. Matt Brill, ein 22-jähriger Amerikaner, begründet seine Unterschrift unter den Profivertrag so: »Ich war noch nie in Israel, und ich wollte sehr gerne Baseball spielen. Dies hier reicht aus, um meinen Kindern sagen zu können: ‚Ich habe mal professionell Baseball gespielt.‘«
Auch die Begeisterung bei den Fans blieb in dieser ersten Saison aus. Doch die Verantwortlichen wollen sich ihr Produkt nicht kleinreden lassen. Ron Blomberg, jetzt Trainer der Bet Shemesh Blue Sox, in den 70-er Jahren Profi bei den berühmten New York Yankees, sagt: »Baseball ist ein Spiel, das die Israelis noch lernen. Das ist ja noch brandneu für sie. Es dauert noch einige Jahre, bis jeder davon begeistert ist.«
Entstanden ist die Idee, Profibaseball nach Israel zu bringen, vor einigen Jahren. Larry Baras, ein Geschäftsmann aus Boston, und Dan Duquette, ein erfolgreicher amerikanischer Baseballmanager, taten sich zusammen. Als Ligaboss konnte die IBL, wie sich die israelische Liga abkürzt, Dan Kurtzer gewinnen, den früheren US-Botschafter in Israel. Baras wird auch nicht müde zu betonen, dass sich so die Beziehungen zwischen den USA und Israel vertiefen werden. Mit dem Hinweis auf die guten pädagogischen Effekte des Baseballs, konnte er auch den Jüdischen Nationalfonds gewinnen, Geld in das »Projekt Baseball« zu stecken.
Aber nicht nur das Interesse in Israel, auch das in den USA ist bislang sehr gering. Doch wo amerikanische Medien die IBL überhaupt wahrnehmen, tun sie dies meist mit einem verwunderten Unterton. Etwa, weil in Israel nur sieben Innings statt neun gespielt werden und weil es, wenn es unentschieden steht, zu einem »Home Run Derby« kommt. »So etwas lässt Baseballpuristen erbleichen«, kommentiert die kanadische Zeitung Globe and Mail.
Ofer Shela, Kolumnist der Tageszeitung Ma’ariv, glaubt, dass die Israelis zu wenig Geduld für diesen Sport haben. »Baseball ist eine lange, ruhige Veranstaltung. Wir sehen Spiele nicht auf diese Weise.« Daher auch die Verkürzungen des Spiels auf sieben Innings und das »Home Run Derby«. In Israel schaut man lieber Basketball und Fußball.
Besonderen Wert legen die IBL-Funktionäre darauf, Baseball als jüdische Sportart zu präsentieren. Zwar sind nur etwa 40 Prozent der verpflichteten Profis Juden, aber anders als bei anderen israelischen Profisportarten lässt die IBL kein Spiel am Schabbat austragen. Auf der Webseite der IBL bemüht man sich sogar nachzuweisen, dass Baseball – oder wenigstens etwas im allerweitesten Sinne und sehr ungefähr damit Vergleichbares – über 50 Mal in der Bibel erwähnt wird.
Bis zur Ankunft der Profiliga war Baseball in Israel reine Liebhaberei, betrieben von gerade einmal zwei- bis dreitausend Aktiven. Bis heute sind Baseballutensilien in Israel kaum erhältlich, man lässt sie sich von amerikanischen Freunden schi- cken. Nun wollen, als PR-Offensive, IBL-Profis 1.000 Schläger, 1.000 Handschuhe und 1.000 Bälle verschenken.
An guten PR-Ideen mangelt es ohnehin nicht. Die beste hatte der Klub Modi’in Miracle. Er verpflichtete 41 Jahre nach dessen Karriereende den 71-jährigen Sandy Koufax. Der ist nicht nur eine amerikanische, sondern auch eine jüdische Baseballlegende. Von 1955 bis 1966 spielte er bei den Brooklyn Dodgers, später Los Angeles Dodgers, wurde dort einer der besten Pitcher (Werfer) in der Geschichte des amerikanischen Profibaseballs und unter anderem deswegen berühmt, weil er sich 1965 weigerte, beim ersten Spiel der World-Series anzutreten, weil das auf Jom Kippur fiel.
Natürlich lief Koufax nie in der IBL auf, aber für die noch im Aufbau befindliche israelische Baseballliga hat seine Verpflichtung enormen Symbolwert. »Wenn du es baust, wird er kommen.«

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