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Hinter den Akten

Auf Einladung der B’nai-B’rith-Loge zeigte der Regisseur Michael Verhoeven im Neuen Forum am Deutschen Museum seinen Dokumentarfilm »Menschliches Versagen«. Auf dem Film Festival in Jerusalem erhielt der schon oft ausgezeichnete Filmemacher für diesen Streifen den »Avner Shalev Yad Vashem Chairman’s Award«. »Wir alle kennen die Geschichte des Holocaust und wissen, dass die jüdischen Menschen erst ihres Besitzes und dann ihres Lebens beraubt wurden.«, sagte die Präsidentin der Loge, Anita Kaminski. »Es wird lange dauern, dass sich etwas verändert, weil so viel Verdrängung da ist. Ihr Film trägt viel dazu bei, damit sich überhaupt etwas bewegt. Wir sehen, dass dies nach so vielen Jahrzehnten immer noch notwendig ist, weil Dinge auftauchen, von denen wir nicht wissen, nicht gewusst haben – und dafür danke ich Ihnen sehr.«
Alte Steuerakten, die aus Archiven in Köln, Düsseldorf und München stammen, sind der Ausgangpunkt für eine journalistische Recherche, die nicht nur zu den betroffenen Menschen führt, sondern die ganze Beraubungsmaschinerie des nazistischen Deutschland von innen heraus zeigt. Und die auch erklärt, warum bislang so wenig Konkretes über die Enteignungsstrategien der Nazis bekannt war. Die Nazis versteckten ihr Tun ganz einfach in speziell für jüdische Bürger entwickelten Steuergesetzen. Und das Steuergeheimnis verhinderte, das daraus etwas ans Licht der Öffentlichkeit gelangte. Michael Verhoeven recherchiert in verschiedenen Archiven und findet Listen von Wohnungsauflösungen, die detailliert Auskunft darüber geben, in wessen Hände der jüdische Besitz gelangt ist. Und er trifft Zeitzeugen, die das Gefundene bestätigen. »Ich habe immer gedacht, die Nazi‐Organisationen waren es – Nein!«, erzählte Verhoeven dem Publikum nach dem Film, »das waren die Finanzbeamten und nicht nur Finanz‐ sondern auch andere Beamte, Polizisten.« Der Filmmacher hofft, dass diese Akten, die sich im Stadtarchiv München befinden, das Interesse von Historikern wecken.
Menschliches Versagen, nennt Verhoeven diese Seite des Verbrechens an den Juden und er erklärt den Filmtitel: »Wenn ein furchtbarer Unfall passiert und der Verantwortliche nicht verantwortlich sein will, dann tut er alles, um zu zeigen, dass es technisches Versagen war. Und ich will in dem Film sagen: Nein! Es ist ein Menschliches Versagen. Es ist nicht irgendetwas außerhalb von uns.« Marina Maisel

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