Rechtsextreme

Hingeguckt

Hingeguckt

Sachsen-Anhalt tut sich schwer mit dem Kampf gegen Rechtsextreme

Wegsehen, Vertuschen, schlampige Ermittlungen. Die Frage, warum Sachsen-Anhalt bei der Bekämpfung des Rechtsradikalismus immer wieder für negative Schlagzeilen sorgt, soll nun in einem Untersuchungsausschuss des Magdeburger Land- tags geklärt werden. Vor wenigen Tagen erst trat der Chef des Magdeburger Landeskriminalamts zurück, nachdem bekannt geworden war, dass seine Behörde die Polizeistatistik eigenmächtig geändert und bestimmte Fälle nicht mehr als rechtsradikal eingestuft hatte – etwa Hakenkreuzschmierereien, bei denen angeblich kein politisches Motiv zu erkennen war.
Innenminister Holger Hövelmann ist in einer schwierigen Lage. Selbst die Opposition gesteht ihm zu, dass der Sozialdemokrat nach seinem Amtsantritt 2006 die Bekämpfung des Rechtsradikalismus enga- giert angegangen ist – Rücktrittsforderungen gibt es deshalb keine. Doch die hoch sensibilisierte Öffentlichkeit ist durch die permanenten Pannen, die den Beamten unterlaufen, irritiert. Nach einem Überfall auf junge schauspielernde Punks, die in Halberstadt die »Rocky Horror Show« aufführten, wurden Tatverdächtige zunächst laufen gelassen, und dann wurde auch noch unzureichend ermittelt – ein Teil der Ergebnisse ist deshalb nicht gerichtsverwertbar. Vietnamesen, die zu Hause von rechtsradikalen Nachbarn überfallen wurden, schickten die Beamten aus ihrer eigenen Wohnung – die Tatverdächtigen dagegen durften zu Hause bleiben und räumten die Wohnung der Vietnamesen aus. In Dessau stellt ein Strafprozess derzeit die Frage, warum die Polizeibeamten einer Wache nicht eingriffen, als in der Zelle eines Asylbewerbers Feuer ausbrach und der Mann schließlich qualvoll zu Tode kam. Und als in dem kleinen Ort Pretzien Rechtsextreme bei einer Sonnenwendfeier das Tagebuch der Anne Frank verbrannten, konnten die Polizisten bei Anzeigeerstattung zunächst keine Straftat erkennen – sie glaubten, Anne Frank sei eine Frau aus dem Dorf.
Hövelmann hat bei mehreren spektakulären Einzelfällen inzwischen auf Konsequenzen gedrängt. Aber auch strukturell gibt es Änderungen – die Bekämpfung des Rechtsextremismus steht auf der politischen Agenda des Landes tatsächlich ganz oben. In Magdeburg fährt inzwischen Wachschutz in öffentlichen Verkehrsmitteln mit. »Respekt« heißt eine Anti-Nazi-CD mit Titeln bekannter Stars, die in 45.000-facher Ausfertigung auf Schulhöfen verteilt wurde. Und die vor einem Jahr gegründete Kampagne »Hingucken!« zeigt erste Erfolge. »Wir haben eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit für das Thema«, sagte jüngst Sachsen-Anhalts Regierungschef Wolfgang Böhmer (CDU) bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Auch der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, äußerte Lob. Zunächst sei er zwar skeptisch gewesen, nun aber sehr zufrieden mit dem Engagement der Landesregierung: »Wir sind jedoch noch weit davon entfernt zu sagen: Wir haben den Kampf gewonnen.« Wie recht er hat, zeigte sich am vergangenen Samstag in Wolmirstedt bei Magdeburg: Dort wurde ein südländisch ausse- hender Jugendlicher von einem Mann in Springerstiefeln und Bomberjacke zusammengeschlagen. Steffen Reichert

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026

Nahost

Iran greift erstmals europäisches Ziel an: Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern

Nach Ausrufung einer Sicherheitswarnung erschütterten Explosionen die Basis. Kampfjets der Royal Air Force hoben nach Angaben von Flugbeobachtern ab, um den Luftraum zu sichern

 02.03.2026

Zusammenfassung

Israels Armee: Wir greifen Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an

Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass etliche hochrangige Militärs wie Generalstabschef getötet wurden

 01.03.2026

Analyse

»Der Iran hat nicht die Schlagkraft«

Das iranische Regime kann den Angriffen von Israel und den USA aus Sicht des Politologen Maximilian Terhalle militärisch wenig entgegensetzen - und durchaus gestürzt werden

 28.02.2026

Deutschland

Höhere Sicherheitsmaßnahmen nach Angriff auf Iran

Hessen verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen. Laut Innenministerium betrifft dies besonders jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen

 28.02.2026

Rabbinerausbildung

»Sehr bedeutsamer Schritt«

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und die Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation

 19.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026