Keren Hayesod

Herzensangelegenheit

von Constantin
Graf von Hoensbroech

»Wir brauchen vor allem ihr Herz«, warb der israelische Wohnungsbauminister Zeev Boim, und die festlich gestimmten Gäste ließen sich nicht lange bitten. Denn ebenso herzlich wie würdig feierten die 150 Gäste im Großen Gemeindesaal der Synagoge in Köln die Magbit-Eröffnung 2008. Unterstützt von der fulminanten Armeeband »Lahakat Zahal« sowie atemberaubend unterhalten vom Magier und Entertainer Lior Suchard hatten der Keren Hayesod Köln sowie die Synagogen-Gemeinde die Gala gestaltet und damit die bundesweite Spendenaktion im Jahr des 60. Geburtstages Israels eingeleitet.
»Kinder Israels« lautet das diesjährige Motto der »Vereinigte Israel Aktion«, die 1920 gegründet und 1956 von der Knesset per Gesetz dazu ermächtigt wurde, »Spenden, Anleihen, Geschenke, Legate, Vergabungen und Hinterlassenschaften zu erbitten und entgegenzunehmen«. Mögliche Sorgen, dass durch die aktuellen Querelen beim Kinderhilfswerk Unicef die Spendenbereitschaft nachlassen könnte, erwiesen sich als unbegründet, im Gegenteil. »Der Zuspruch, und das an einem Abend mitten in der Woche, war überdurchschnittlich«, zog Ilan Simon, Vorsitzender Magbit-Komitee Köln, ein mehr als zufriedenes Fazit. »Wir haben fast alle ausgelegten Spendenumschläge zurückerhalten.«
Wie nötig das ist, zeigte eindrucksvoll ein kurzer Film über die Arbeit von Keren Hayesod mit Etgarim-Projekten in Sderot und Umgebung. Das Hilfswerk will mit ei-
nem computergestützten Lernprogramm die soziale Bildungskluft schließen.
Michael Rado, Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde, hatte in seiner Begrüßung schon auf die bedrückende Situation benachteiligter Jugendlicher und kranker Kinder in der Grenzstadt hingewiesen, die fast täglich unter dem Beschuss durch Kassamraketen von palästinensischer Seite aus zu leiden haben: »Uns geht es in Deutschland seit 60 Jahren gut, wir haben einen fantastischen Frieden. Und wir haben das große Glück, seit 60 Jahren den Staat Israel zu haben. Aber unsere Brüder und Schwestern leben dort im Unfrieden und ständiger Bedrohung.« Auch Ilan Mor, der Gesandte an der israelischen Botschaft in Berlin, nannte die 60 Jahre seit der Staatsgründung »eine Er-
folgsgeschichte, ein Phänomen im positiven Sinne«. Es sei in der Geschichte ohne Beispiel, dass sich ein Staat einerseits ständig wehren und andererseits eine Gesellschaft mit Werten und Geschichte aufbauen und festigen müsse.
Wohnungsbauminister Zeev Boim zeigte sich »sehr erfreut über die vielen jungen und älteren Paare, denn das bestärkt mich in der Hoffnung, dass unsere Zukunft sicherer und optimistischer wird«. Sorge bereitet dem 65 Jahre alten Politiker allerdings der Blick nach Osten: »Irans Präsident Ahmadinedschad vertritt seine Ideologie nicht nur gegen Israel, sondern gegen die gesamte westliche Welt.«
Alle Redner wiesen auf das »Wunder« der deutsch-israelischen Beziehungen hin. Nicht nur für die Kinder Israels, sondern »auch für unsere deutschen Freunde«, so Mor, sei es wichtig, immer wieder die Verantwortung für Israel zu schärfen. In diesem Sinne versprach denn auch Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, weitere Unterstützung vor Ort: »Wir wollen Brücken zu unserer Ge-
sellschaft schlagen, denn die Integration der hier lebenden Juden soll sie auch in ihrer Verbindung zu Israel stärken.«

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